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„I love her and it is the beginning of everything“ – F. Scott Fitzgerald

Ich muss ein Geständnis ablegen: Ich bin verliebt in zwei Verrückte die in Abendgarderobe  mitten in der Nacht auf der Fifth Avenuve Champagnerflaschen die Straße herunterrollen ließen, die auf der Motorhaube eines Taxis fuhren und in Hoteldrehtüren Karussell. Francis Scott Fitzgerald und seine Frau Zelda. Mit dem gleichen Maß wie Bücher über Makrobiotisches Essen, Glückversprechen durch Minimalismus und Moral an Zulauf haben, bestehe ich, wie in Tender is the night auf „gar gekocht in Veuve Clicquote!“.  Mit Z- The Beginning of Everything soll es genau darum gehen.

Zelda

Champagner, Jazz und wilde Parties! Als unwiderstehliche, kluge und lebenshungrige junge Frau ist Zelda Fitzgerald jener Funken, der das kreative Potential des literarischen Genies F. Scott Fitzgeralds entzünden wird. Als ausschweifende Liebesgeschichte, die den Keim tragischen Scheiterns von Beginn an in sich trägt, als leinwandreifes Historiendrama voller Opulenz, als extravagante Lebensbeichte einer kulturellen Ikone, die im Rausch der zwanziger Jahre unsterblich wird, entführt die bahnbrechende Serie in eine faszinierende Ära, deren Echo bis heute nachhallt.

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Zelda ist achtzehn und lebt ein zutiefst bürgerliches Leben in Montgomery, Alabama: ein strenger Vater, der Richter ist, eine Mutter und zwei Schwestern. Der Vater erwartet von seiner bereits erwachsenen Tochter, dass diese endlich einen passenden Mann findet. Reich, aus guter Familie und mit besten Umgangsformen. Zelda allerdings geht Tanzen, küsst Soldaten und feiert gerne.  Sie verdreht jedem Mann in der Stadt den Kopf, doch von Liebe und sich fest binden, davon hält sie nicht viel – dann begegnet sie Scott – sie weiß es vom ersten Moment an, dass ist der Mann ihres Lebens.

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Da ist dieser Mensch, den man so abgöttisch glaubt zu lieben – doch wenn man genau hinsieht, ist dieser Mensch Gift für einen. Hierfür muss man keine Hollywood Star oder Autor sein, diese Story ist für alle nachvollziehbar.

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Der Richter ist natürlich nicht gerade begeistert: ein Künstler, das hat dem resoluten Paterfamilias  noch gefehlt. Doch Zelda findet genau das so wahnsinnig toll. Sie heiratet ihn, er wird über Nacht berühmt, da sich sein erster Roman sehr erfolgreich verkauft – sie ziehen nach New York – es hagelt eine Party nach der anderen – ein Leben in „Sünde“ für Zeldas Familie.

Die Liebe der beiden scheint anfänglich stark – doch beide haben einen großen Feind namens Alkohol, dieser Feind begleitet beide täglich und der Erfolg des jungen Autors scheint zu bröckeln. Der Gin ist bald nicht mehr das  Accessoire zum Schaumbad, aus dem Glas wird  die Flasche. Und auch, wenn sein zunehmender Alkoholismus der Überlieferung entspricht, ist die eindimensionale Darstellung eines der einflussreichsten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts als cholerischer Trinker schlichtweg stupide und langweilig.

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Zelda ist im Grunde die Heldin, sie liefert den Stoff für seine Romane und Geschichten. Soweit so gut und dass er Passagen direkt aus ihren Tagebüchern und Briefen übernahm stimmt, aber dass sie nun der verkannte schriftstellerische Genius ist. Das geht doch ein wenig arg weit. Sie bekommt sogar Angebote von den größten Filmstudios, was dem aufstrebenden Schriftsteller nicht besonders gut gefällt – wollte er doch der Star und Ernährer der Familie sein. Neid und Eifersucht machen sich breit.

Auf der einen Seite war ich hellauf begeistert, dass man versuchte die Fitzgeralds mal nicht als dieses romantische Flapper-Glamour-Paar zu zeigen, auf der anderen Seite – die GEschichte lässt sich zu viel Zeit oder hat zu wenig Folgen.1200

Welche Bedeutung Zelda Fitzgerald haben könnte, in feministischer, literarischer oder in irgendeiner anderen Hinsicht, weiß man nach den zehn Folgen noch immer nicht.

Stoff für eine mögliche Fortsetzung gibt es allerdings noch genug: Zum Ende der ersten Staffel haben es die Fitzgeralds noch nicht einmal an die französische Riviera geschafft, geschweige denn nach Paris, die Tochter Scottie ist noch nicht geboren.

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Zeldas Klinikaufenthalte, die diagnostizierte Schizophrenie, die Veröffentlichung ihres ersten und einzigen Romans, die zunehmende Unterdrückung und Zensur durch Scott, dessen Verpflichtungen als Drehbuchautor bei MGM – all das wären Momente, um sich dieser Person anzunähern.

 

 

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