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Paris ist seine eigene Kunstform. In dem kalten, grausamen, sinnlosen Universum existiert Paris, dessen Lichter man sogar vom Weltall aus siehtmidnight-in-paris-community

Gil Pender ist ein erfolgreicher Drehbuchautor, der in Paris versucht, sein erstes Buch zu vollenden: Er will endlich etwas von bleibendem literarischen Wert schaffen. Allerdings leidet er akut an einer Schreibblockade, da er tagsüber mit seiner Verlobten Inez und deren angeberischen College-Freund Paul auf touristischen Pfaden wandelt und die Abende mit ihren versnobbten Eltern verbringen muss, die nicht unbedingt begeistert von ihrem Schwiegersohn in spe sind.

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Als Gil es eines Abends vorzieht, allein durch die malerischen Straßen Paris’ zu spazieren anstatt mit Inez und Paul tanzen zu gehen, passiert etwas Magisches: Genau um Mitternacht fährt eine alte Limousine vor, deren Insassen ihn vergnügt auffordern einzusteigen. Spontan lässt sich Gil auf das Abenteuer ein, das ihn auf wundersame Weise ins Paris der 20er Jahre führt, wo er F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway, Cole Porter und andere Künstlergrößen der amerikanischen Moderne trifft.

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Nostalgie… Ja dieser Film ist eine große Hommage an die „Früher war alles besser“-Sehnsucht, die jeder von uns kennt. “Nostalgia is denial, denial of the painful present”

Da er wenig wirkliche Handlung hat, lebt er durch die Begegnungen Gils mit den von ihm so sehr bewunderten Künstlern des Paris der Zwanziger. Damals als Kunst und Literatur noch Lebendig waren. Der Film schwelgt in der Golden Age und die Frage welche Dekade besser war.

Für Gil ist es das Paris der 20er, wo Zelda und Scott Fitzgerald, der Berserker Ernest Hemingway, die legendäre Gertrude Stein und andere wandelnden. Ich glaube mal, dass niemand von der Sehnsucht frei ist in einer anderen Zeit leben zu wollen. Für Gil ist der Alltag anstrengend und die Nächte von Paris erschafft die glamouröse Welt der 1920er der Stoff ist, aus der die Träume sind. Die Gegenwart ist langweilig und die 20er spannend: Charleston, Alkohol, das Bummeln durch die kleinen Cafés und Boulevards, Gespräche über Kunst und Literatur. Und eine nicht endende Party

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Gils Begeisterung über diese Begegnungen, die Art wie er sich in dieses Abenteuer stürzt und versucht, dieses Erlebnis auch mit seiner Verlobten zu teilen, macht ihn einfach sehr liebenswert. Im Grunde genommen ist er der Fanboy, der irgendwo in jedem von uns für irgendeine Dekade schlummert, aber von vielen nicht ernst genommen wird.

Die Idee zu dieser Geschichte, eine Zeitreise in die Vergangenheit, ist ja generell nichts gänzlich Neues, aber es ist eine wunderbare Umsetzung.

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Die Nächte verbringt er in der anregenden Gesellschaft der Künstler der Zwanziger, tagsüber muss er sich allerdings mit den deutlich weniger interessanten Freunden und Verwandten seiner Verlobten herumplagen, denen er sich mehr entfremdet. Der erfolgreiche Paul, der Gils Verlobte Inez wegen seines scheinbaren allumfassenden (Halb)Wissens mehr als ein wenig beeindruckt, stellt hier einen klaren Kontrast zu Gils natürlicher Art dar. Langsam aber sicher krempeln Gils Ausflüge in die Vergangenheit auch sein Leben in der Neuzeit um.

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Ich denke, dies ist mit Sicherheit ein Film, der die Meinungen entzweit. Er hat wenig Handlung und lebt von den Personen und den Gesprächen, sowie von der wunderschön in Szene gesetzten Kulisse der Stadt. Jeder Zuschauer, der auf der Suche nach Action ist, wird vermutlich einschlafen, jeder, der mit der Lost Generation der Zwanziger nicht so vertraut ist, kann ihn nett finden, wird aber vermutlich nur bedingt etwas davon haben, wenn ihm die ganzen auftretenden Personen nichts sagen. Wer sich mit der Zeit und den Personen allerdings schon einmal befasst hat, wird seine Freude an diesem Film haben und seinen Witz und auch seine etwas ernstere Seite genießen können.
Ein guter Einstieg in diesen Film und zum Reinschnuppern in die Zeit, dürfte Hemmingsways Buch „Paris-ein Fest fürs Leben“ sein.

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