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Hätte mir vorher jemand sagen können, was das irritierende am Erwachsensein ist?!
1. Es wird schwerer Beeindruckt zu werden.
2. Ich erwarte wenig bis nichts.
Ich merke es aktuell überall und das schafft Langeweile. Und Langeweile ist das schlimmste. Das dumpfe, bittere Gefühl der Bedeutungslosigkeit, als ob man dauernd auf einen kleinen Punkt an der Wand starrt, während der Verstand nach und nach Blank wird. Tödliche Langeweile ist wohl am Schlimmsten.
Und genau in dieser Stimmung habe ich in blindem Aktionismus, nur um irgendwie zu entkommen, nach neuen Geschichten gesucht. Und dabei tauchte The Deep Blue Sea auf.

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Hester Collyer führt mit ihrem Mann, dem Richter Sir William Collyer, eine Ehe im Nachkriegs-London. Privilegiert und im Wohlstand zwar,jedoch starr und unbeweglich. Eines Tages begegnet ihr der jüngere, ehemalige RAF-Pilot Freddie Page und Hester verliebt sich. Sie folgt ihm, ohne an die Konsequenzen zu denken. Doch selbst an Freddies Seite findet sie nicht das Glück, das sie sich erhoffte. Und so vergeht das vermeintliche Glück zu schnell und zu schmerzhaft.

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Dieser Film lässt niemanden, der sich darauf einlässt, kalt. Dies ist dem hervorragenden Spiel der drei Hauptdarsteller zu verdanken. Hester besitzt eine glühende Intensität, der man sich nicht entziehen kann. Sie berührt ohne große Gesten und bricht einem das Herz ganz behutsam.

TheDeepBlueSea05Ihr junger Liebhaber Freddie, jugendlich, überschwänglich, aber zugleich hat er den Krieg nie hinter sich gelassen. Erstarrt und in der Hoffnung, dass diese Beziehung ihn wieder lebendig werden lässt.

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Hesters Ehemann, Sir William,  ist ein desillusionierter Mann, der die Liebe seiner jüngeren Frau verliert und dennoch nie aufhört, sie zu lieben. Nach wie vor bietet er ihr Kultur, wirtschaftlichen Wohlstand, einen sicheren Platz im Leben.

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The Deep Blue Sea ist ein Kammerspiel, ein Portrait Englands in den Nachkriegsjahren und Studie über die zerstörerische Macht der Liebe. Der Film lässt uns am Leben dreier Menschen teilhaben, die außer Stande sind, andere so zu lieben, wie diese das brauchen und selbst nicht jene Liebe finden, die sie suchen:

Eine Ehefrau soll aus gesellschaftlicher Konvention eine Ehe aufrechterhalten, in welcher sie sich einsam fühlt.

Von einem ehemaligen Piloten wird erwartet, sich als Angestellter in eine Gesellschaft zu integrieren, obwohl er „im Krieg“ geblieben ist.

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Und ein Richter, der versucht seine Frau zu halten, obschon sie ihm entgleitet.
In einer Zeit, in der eigentlich das ganze Land eine Therapie benötigte, zeigt sich wie Menschen dieses Landes mit ihren Erfahrungen umgehen und versuchen psychisch zu überleben. Dass sie sich dabei selbst zerstören, können sie nicht zu verhindern.

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Ich bin begeistert. Ein außergewöhnlicher Film über reale Menschen, bewegend, schmerzhaft, fantastisch gespielt und mit großer Ruhe inszeniert.

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Ich rate nur unter allen Umständen nie die deutsche Synchronisation zu hören – sie schmälert diesen Film wirklich sehr.

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