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Manchmal stelle ich mir selbst die Frage, ob ich Kostümfilme nicht manchmal langweilig finde – denn im Grunde macht das ja den Hauptkanon meiner Filmleidenschaft aus. Manchmal meine ich schon alles gesehen zu haben und sollte ich nicht einmal was anderes versuchen. Und in vielen Fällen kann ich guten Gewissens mit Nein antworten. Das spannende am Period Drama ist ja, dass man immer wieder etwas findet, von dem man nicht ahnte dass es interessant sein könnte.

SommerimFebruar01

Sommer im Februar ist auch wieder so ein Zufallsfund. Bei „Sommer im Februar“ handelt es sich um die Verfilmung einer wahren Begebenheit, die von Jonathan Smith auf Grund Tagebuchnotizen des Afrika-Veterans Gilbert Evans rekonstruiert hat. In einem Künstlerdorf Lamorna an der Küste Cornwalls verliebt sich der junge Soldat und Verwalter Gilbert Evans in die künstlerisch ambitionierte Tochter eines reichen Londoners, die sich mit ihrem Bruder zu Studienzwecken dort niedergelassen hat. Leider kommt ihm der hochtalentierte Alfred Munnings (A.J.) in die Quere und schnappt ihm die zerbrechliche Schönheit quasi vor der Nase weg. Florence erkennt zu spät, dass sie sich für den falschen Mann entschieden hat. Als Gilbert sich erneut freiwillig zum Kriegsdienst in Afrika meldet, kommt es zur Katastrophe.

SommerimFebruar03

Die Geschichte ist frei von einer irgendwie erotischen Pikanterie einer Ménage à trois. Vielmehr erzählt der Film von einer Frau, die sich für den falschen Mann entscheidet. Dabei legt der Film zwar viel Wert auf Charakterzeichnung und eindringlicher, wenn auch sehr allmählich vonstatten gehender Konfliktzuspitzung. Letztere findet erst gegen Ende zu ihrem Höhepunkt.

SommerimFebruar05

Ein Film, nach einer wahren Begebenheit, wundervoll an Originalschauplätzen in Szene gesetzt – und doch so enttäuschend, denn schöne Naturkulissen und satte Farbkontraste, sowie eine prächtige Szenerie, können keinen Film retten. Das ist umso bedauerlicher da das Casting und die darstellerischen Leistungen hervorragend sind.

SommerimFebruar11

Gerade im zweiten Teil des Films verdüstert sich die Stimmung beträchtlich, damit einher geht, dass die junge Frau in der Geschichte in eine immer ausweglosere Situation gerät.

SommerimFebruar12

Einblicke in ihre Psyche und Ausweglosigkeit, fehlen allerdings vollständig. Gut, man kann sich seinen Teil denken, aber dadurch gewinnen ihre Handlungen nicht mehr an Logik und Glaubwürdigkeit.

SommerimFebruar06

Zudem ist Emily Browning mit ihrem fast ausdruckslosen Puppengesicht nicht gerade eine Besetzung  auf die ich mich gefreut habe – ich hatte bisher jedes Mal Schwierigkeiten wenn ich sie in einem Film sah. Eindrucksvoll wirkt es , aber Leid, Enge, Ausweglosigkeit darzustellen ist mit dieser maskenhaften Mimik eine Herausforderung. Und an einigen Stellen hätte ich mir durchaus mehr Emotion gewünscht.

SommerimFebruar15

Regisseur Menaul hat eine feinsinnige Mileustudie geschaffen, aber das Drama blieb leider erzählerisch auf der Strecke, was schade ist denn es hätte inen guten Kontrast gebildet. Vor 100 Jahren waren die Gepflogenheiten noch gänzlich andere hinsichtlich von Liebesdingen und auch der Möglichkeiten einer Frau, in der Gesellschaft ihren Platz zu finden. Die auf den ersten Blick so progressiv wirkende Künstlerkolonie im Cornwall macht diesbezüglich dann doch keine entscheidende Ausnahme.

SommerimFebruar16

Und damit hätte man vielfältiger und ausdrucksvoller arbeiten können. Somit glänzt dieser Film zwar mit einer gediegenen, sanften Anmut, aber er bietet auch keinerlei Diskussionspunkte.

SommerimFebruar17

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