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diehebamme02So manches Mal frage ich mich ernsthaft, wer Filmtitel auswählt. Wenn ich alleine danach gegangen wäre, hätte ich mir diesen Film nie angesehen. Aber ein Bonuspunkt hatte er: Misel Maticevic – was hab ich für den seinerzeit geschwärmt. Und bei diesem Film musste ich feststellen, er hält auch einer BBC-Verfilmung Stand.

Historienfilme sind in den letzen Jahren entweder wildromantisch oder  dreckig – wieso soll ständig der Eindruck erweckt werden dass sich die Menschen im Schlamm gewälzt haben und keiner von Hygiene eine Ahnung hatte. Wasser mit Kräutertinkturen, Kernseife und co sind keine reinen Erfindungen des 20. Jahrhunderts.diehebamme03

Dennoch gibt es einige sehr schöne Verfilmungen die sich dem 17 – 19. Jahrhundert weniger verklärt annehmen. So einer ist auch „Die Hebamme“. Angesiedelt in Tirol 1813, lebt und arbeitet die etwa dreißig Jährige Rosa Koelbel als Hebamme in einem kleinen Bergdorf. Die verwitwete Frau hat den Beruf von ihrer Mutter gelernt und vertritt eine Mutterrolle für ihre minderjährige Schwester Anna, die vom Sohn des örtlichen Großbauern schwanger ist, dieser leugnet die Vaterschaft und droht den beiden Schwestern. diehebamme04
Rosa ist auch beim Pfarrer nicht beliebt, da sie sich eher um das Wohl von Gebärenden kümmert und nicht um traditionelle Reliquien und Wundergebete kümmert. Nach einem Selbstmordversuch ihrer Schwester folgen beide dem Medikus Gennaro Kaunerin die Stadt, wo er eine Gebäranstalt für Frauen der untersten Schichten und auch lediger Schwangerer leitet, in dem die modernste Geburtsmedizin zum Einsatz kommen soll. Wichtig ist dem Medizinalrat Jakob Eigner  vor allem eine Steigerung der Geburtszahlen. man hofft wegen des guten Rufes von Rosa darauf.diehebamme05

Aber bald stellt Rosa eine hohe Zahl von Kindsbettfieberfällen fest, sie führt es auf die Nottaufen zurück, bei denen den Frauen Weihwasser, das schon seit Monaten bewahrt wurde, mit einer vorne gebogenen Spritze in die Scheide gespült wird.diehebamme07
Sie muss auch feststellen, dass das Wissen um Geburtsmedizin bei der Ärzteschaft sehr beschränkt ist.  So kommt es durch Kauner zu erheblichen Fehleinschätzung, es erfolgt ein Kaiserschnitt, den Mütter damals nie überlebten, Rosa geht wegen des Falles sogar vor Gericht und erzwingt eine Obduktion. Um Kauner zu schonen, wird eine andere Indikation für den Eingriff erfunden als ein zu enges Becken.

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Auch jetzt ist für Rosa das Wohl der Frauen das oberste Gebot, womit sie bei der Schulmedizin und der Geistlichkeit aneckt. Als sie ein Neugeborenes, dessen Mutter ein Opfer der Ärzteschaft wird, statt ins Heim, wo es kaum eine Woche Lebenserwartung hat, bei der mehrfachen Mutter Afra unterbringt, der sie das Leben gerettet hat, in dem sie sie mit Kräutern behandelt, deren Wirksamkeit zum Erfahrungsschatz gehörten , hat der Pfarrer  etwas gegen sie in der Hand, sie geht zurück in die Heimat, aber der unrechte Arm des Gesetzes reicht auch dahin, zumal Rosa bei der schweren Geburt ihrer Schwester zwar eine Nottaufe ausspricht, das „Weihwasserklistier“ aber verweigert, eine schwere Verfehlung, die mit Folgen für ihr restliches Leben geahndet wird.

diehebamme08Rosa Koelbl, diese wunderbare fiktive Frauengestalt, ist eine Hommage der Filmemacher an den Beruf der Hebamme und solche Frauen, die ihren Beruf zum Wohle der Schwangeren und Gebärenden ausüben und deren Können und Wissen dem der Ärzteschaft wegen des über Jahrhunderte weitergegebenen Erfahrungsschatzes meist überlegen war.

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Mit „Die Hebamme-Auf Leben und Tod“ wurde von den Filmemachern und ein wunderbarer Film geschaffen. Die Auszeichnungen für den Film, seine Macher und Brigitte Hobmeier sind mehr als verdient.

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