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Brooklyn wurde letzten November in Leeds vorgeführt und erreichte im Januar die Kinos. Ein kleines Wunder für mich, dass es wieder Filme ohne viel Krachen und Knallen, Spezialeffekten und aufwendigen Animationen in die Kinos schaffen.

Die Handlung ist, gemessen an vielen Themen der letzten Jahre, extrem unspektakulär, aber gleichzeitig liegt auch darin ihr Reiz. Eilis Lacy ist eine 20-Jährige Irin, die in den frühen 50er Jahren in die USA auswandert, um dort eine bessere Zukunftsaussicht zu haben.

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Das Amerika der 50er Jahre hat seinen ganz eigenen Reiz. Es ist die Zeit wirtschaftlicher Prosperität, der unbegrenzten Möglichkeiten, Frauen drängen stärker in die Berufe, die letzten, großen Migrationswellen seitens Europa in die USA beginnen: und dahinter liegt New York, das große Versprechen und die Hoffnung, dass nun alles besser wird.

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Eigentlich schildert der Film mehr Eilis‘ Einfinden in ein neues Leben. Ihrer Arbeit als Verkäuferin bei Bartoccis, dem Abendkurs zur Buchhalterin am Brooklyn College und der Kirchengemeinde. Ein Thema, was für unsere Zeit kaum mehr zu verstehen ist, ist die Tatsache, dass man eben nicht einfach „Zu Besuch“ kann, ´Flugzeuge sind noch nicht wirklich für den transatlantischen Verkehr da, Briefe dauern eben doch länger als E-Mail und es ist eben doch niemand da, den man kennt.

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Eine der schönsten Episoden war das Weihnachtsessen der Kirchengemeinde für die Obdachlosen, Armen und Bedürftigen. Im Unterton klingt auch eine Kritik an, dass diese Männer zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Arbeitskräfte in die Staaten kamen, beim Bau der Stadt mithalfen und sich heute niemand mehr um sie kümmert, sie zugleich aber auch nicht zurück nach Irland gehen können, weil es für sie dort keine Verbindungen mehr gibt.

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Für Eilis ändert sich ihr zunächst eintöniges Dasein erst, als sie Tony kennenlernt. Ich muss sagen, dass mir die Figur sehr gefällt. Er ist kein strahlender Held oder sonst irgendwie besonders. Er ist Klempner, eher einfach aber liebenswert. Und er kümmert sich um Eilis, gibt ihr auch das Gefühl wieder eine Familie zu haben und nimmt ihr das Heimweh nach Irland. Zudem setzt ab dem Coney Island Besuch ein Farbwechsel ein. Eilis Kleidung wird fröhlicher, sie findet einen eigenen Bekanntenkeis und beginnt sich zu akklimatisieren. Bis der Tod ihrer Schwester sie nach Irland zurückruft.

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Und hier ist Eilis nun nicht mehr die jüngste Lacy-Tochter, sondern die „in Amerika war“. Das macht sie zunehmend interessant für ihre Umgebung. Sie bringt einen Hauch von Ferne mit, von glitzernden Wolkenkratzern, von etwas aufregend fremden. Und auf einmal soll sie den Job ihrer verstorbenen Schwester übernehmen, wird für die Herren interessant, die vorher nichts von ihr Wissen wollten und unterschwellig entsteht auch der Eindruck, dass jeder denkt dass sie bleiben werde.

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Und auch Eilis scheint mit dem Gedanken zu spielen. Es ist nach wie vor der Ort an dem sie Aufgewachsen ist, die Regeln und das Verhalten in der Gemeinde sind ihr vertraut. Man kann durchaus nachvollziehen, dass sie ab einem bestimmten Punkt nicht abgeneigt ist, darüber nachzudenken. Zumindest scheint sie nicht dagegen zu tun. Ich glaube, dass war der einzige Punkt wo ich etwas genervt war. Eilis‘ rutscht in eine Form der Passivität zurück: sie bemerkt die Situation und tut weder etwas dafür noch dagegen. Bevor sie wieder unsanft daran erinnert, dass es eben doch auch Gründe gab diesen Ort zu verlassen.

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Ein schöner, sehr poetischer Film, der sich mit dem Thema Auwandern, Heimat und wiederkommen beschäftigt und gerade durch seinen unaufgeregten Ton besticht, so dass man den Eindruck hat, so eine Geschichte könnte wirklich passiert sein.

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