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Kürzlich konnte man bei Arte Little Dorrit sehen und die Gelegenheit habe ich genutzt, es mir anzusehen. Selten genug kommt es vor, dass es ein Period Drama der BBC in die Sendezeiten schafft – wobei seit Ku’Damm 56 hoffe ich ja, dass es endlich mal mehr gibt, als nur Weltkriegsfilme.

Dickens Geschichte wurde in jeder Hinsicht bemerkenswert umgesetzt. Ein Fest für alle Sinne. Erwähnenswert nicht nur die herrlichen Kulissen, Schauplätze und Kostüme, sondern auch die bemerkenswert guten Schauspieler. Von der warmherzigen bewegenden und unbedingt spannenden Geschichte nicht zu reden.

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Als Arthur Clennam von einem langen Aufenthalt in China nach London zurückkehrt hat er eine traurige Aufgabe zu erfüllen. Er muss seiner Mutter vom Tod ihres Mannes berichten. Doch in dem heruntergekommenen Haus seiner gefühlskalten Mutter, die seit 12 Jahren das Zimmer im oberen Stock nicht verlassen hat, herrscht ein düsteres,  strenges Regime. Furcht einflößend ist da nicht nur die gefühlskalte alte Dame selbst, sondern auch ihr kauziger zwielichtiger Butler Jeremiah Flintwinch .
Arthurs Augenmerk fällt auf Amy Dorrit, genannt „Little Dorrit“,  die als Näherin für Mrs. Clennam arbeitet. Er fängt an Erkundungen über die junge Dame einzuholen, folgt ihr und landet im Marshalsea Schuldengefängnis, wo sie mit ihrem Vater und ihren Geschwistern lebt.
Mit dem Besuch im Schuldengefängnis bei William Dorrit, einem ehemals angesehenem Herrn in der Gesellschaft Londons, taucht Arthur in eine ihm bislang fremde Welt ein – die Slums von London. William Dorrit ist ein  Mann, der sich als „Vater des Marshalsea“ zu einer Touristenattraktion gemacht hat und so immer ein wenig Geld/Spenden bekommt.
Arthur setzt alles dran den Dorrits zu Helfe, scheitert aber an einer  selbstverwaltenden unnützen Behörde, dem „Circumlocation Office“.  Ein Geldeintreiber namens Pancks , der Nebenbei als eine Art Privatermittler arbeitet, schafft es jedoch die richtigen Dokumente und Information zu finden.

Gleichzeitig wird offenbar, dass Arthurs Mutter ein Geheimnis zu verbergen versucht. Leider erfolglos, denn eine Menge geheimnisvolle Dokumente, die Flintwinch vernichten sollte, gerät über Umwege in die Hände eines  Furcht einflößenden, entflohenen Häftling aus Frankreich: Rigaud .

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Während die Dorrits rehabilitiert werden und auf Bildungsreise gehen, nimmt Arthur Clennams Schicksal eine dramatische Wendung. Die junge Dame in die er verliebt ist, heiratet einen anderen und Spekulationsgeschäfte bescheren ihm genau das Schicksal aus dem er die Dorrits befreit hat.

Für mich war es auch ein bisschen ein Selbstversuch mit Matthew Macfadyen noch mal warm zu werden. Sein Arthur Clennam war sympathisch, allerdings wirkte die Figur insgesamt etwas blass und kraftlos. Dennoch hat er mich als ein stiller Komödiant gerade in den Szenen im „Circumlocation Office“ oder seiner verflossenen Jugendliebe und deren Tante F. sehr zum Lachen gebracht.

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Die Figuren der Familie Dorrit, wie Charles Dickens sie zeichnete sind alle, Amy und ihr Onkel ausgenommen, absolut egoistisch und unsympathisch. Wenn Amys Geschwister und ihr Vater mit ihren Ansichten anfangen, was man in der Gesellschaft verlangt, kann man sich nur Fremdschämen und wünscht sich nach Möglichkeit sie irgendwo zu verstecken. Der Sohn Tip ist im wahrsten Sinne ein Taugenichts und Tagdieb, während die Schwester als Varietétänzerin allem Voran eher praktisch orientiert versucht ihr Leben einzurichten und aus dem Slums Londons rauszukommen.

Ein Period Drama allererster Güte. Liebe, Mord, Neid, Missgunst, ruinöse Spekulationsgeschäfte, zwielichtige Gestalten, farbenfrohe Einfältlinge, Halsabschneider allererster Güte, die sich zum Wohltäter wandeln – und dann das Geheimnis um Arthur Clennam und „Little Dorrit“.

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