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Ein kleines Dorf im England in den 1870er Jahren: Bathsheba Everdene (Paloma Baeza) erbt das Gut ihres geliebten Onkels. Die junge Frau ist patent und selbstbewusst genug, die Gutsverwaltung in die eigenen Hände zu nehmen. Doch schon bald buhlen drei Verehrer um ihre Gunst: Der attraktive, aber arme Schäfer Gabriel Oak (Nathaniel Parker), der wohlhabende, etwas ältere und einsame Gutsbesitzer William Boldwood (Nigel Terry) und der fesche Soldat Frank Troy (Jonathan Firth). Bathsheba lehnt zunächst Oak ab, gibt dann Boldwood einen Korb und heiratet schließlich Frank Troy. Nach einiger Zeit findet Bathsheba jedoch heraus, dass ihr Ehemann bereits mit der Magd Fanny Robin (Natasha Little) verlobt gewesen war, als er sie zur Frau nahm. Und als Fanny ein Baby bekommt und dabei stirbt, nimmt die Tragödie ihren Lauf…

Am Ende einer Lektüre gibt es für mich auch immer dann den Film. Mittlerweile kann man bei „Far from the madding crowd“ aus dreien auswählen. Meine Wahl fiel auf den Fernsehmehrteiler der BBC. Ein Grund war, dass mir Paloma Baeza aus Spooks bekannt war und Jonathan Firth (auch wenn sein Bruder definitiv bekannter ist). Ein anderer: Das Buch brauchte Zeit sich zu entfalten, wie will man so was bitte in einen Film von Neunzig Minuten quetschen? Vielleicht schaue ich mir auch mal die Fassung von 2014 an, aber noch nicht.

Wie immer, wenn man ein Perioddrama der BBC schaut: stimmungsvolle Landschaften und an Personal wird nicht gespart, die Kostüme sehen nicht aus, wie eben erst von der Nähmaschiene gehüpft.

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Paloma Baeza kommt meiner Vorstellung von Bathsheba sehr nahe: sie ist jung, sie ist naiv und impulsiv und verletzt Menschen um sich herum, aber dabei auch am meisten sich selbst. So weckt sie in dem vereinsamten Dauerjungesellen William Boldwood die Hoffnung auf ein spätes Eheglück, stößt den gutmütigen Gabriel Oak von sich und entscheidet sich aus einem Impuls heraus für den feschen, aber auch windigen Frank Troy. Mir persönlich erschließt sich zwar nicht, wie man auf so einen mit Komplimenten um sich werfenden Windbeutel hereinfallen kann, aber es haben auch schon klügere Frauen die miesesten Typen abgekriegt.

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In Sachen Cinematographie wird nicht mit großzügigen, schönen Landschaftsaufnahmen gespart: Vom über dem Hof aufziehenden Sturm mit dunklen Wolken und heftigen Windböen, über die sommerliche Idylle bei der Ernte, durch grüne Wälder ist alles dabei, was einem das Hineinversetzen ins Landleben des 19. Jahrhunderts erleichtern könnte, dass abgeschieden von der Industrialisierung seinen Gang geht.

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Einzig Batshebas Emanzipation gegenüber der ihr misstrauisch bis feindlich gegenübergestellten Welt der in ihrem Rollendenken festgefahrenen Männer hätte man noch ausführlicher thematisieren können.

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Doch es hätte eigentlich noch mehr Konfliktpotential gegeben – sowohl bei der Konkurrenz mit den anderen Grundbesitzern, als auch in Batshebas Rolle als Gutsherrin und Arbeitgeberin, welche dabei stets die multiplen Bedürfnisse ihrer Arbeiter bedenken, aber gleichzeitig auch den wirtschaftlichen Erfolg des Hofes im Auge behalten muss. Am Ende scheinen aber alle Batsheba als solche akzeptiert zu haben, doch wie es dazu genau gekommen ist,  wird leider nicht verdeutlicht.

Dennoch ist der Film bereits in meinen Persönlichen „Perioddrama“-Favoriten unter den ersten Zehn und ich kann ihn bedenkenlos weiterempfehlen.

 

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