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DieGärtnerivonVersailles

Frankreich, Ende des 17. Jahrhunderts. Die unkonventionelle Landschaftsgärtnerin Sabine De Barra erhält vom obersten Gartenarchitekten des Königs André Le Nôtre den Auftrag einen Barockgarten zu bauen, denn Ludwig XIV. wünscht sich in Versailles einen Park, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Keine leichte Aufgabe für die selbstbewusste Witwe, die fortan nicht nur gegen neidische männliche Kollegen und subtile Hofintrigen zu kämpfen hat, sondern auch eine immer intensivere Leidenschaft für ihren Auftraggeber verspürt. Doch André ist verheiratet und sie selbst ist sich ihrer Gefühle nicht sicher. Während Andrés eifersüchtige Ehefrau einen hinterhältigen Sabotageakt plant, drängt der ungeduldige König auf baldige Fertigstellung seines Gartens.

 

Sonntag, schlechtes Wetter, was nun? Wir schauen „Die Gärtnerin von Versailles“ (A Little Chaos):

Kate Winslet – Dickes JA!

Alan Rickman – Ja!!!

Stanley Tucci – Ja, ja und noch mals Ja!

Jennifer Ehle – Ja!

Rupert Penry-Jones – Ja…

Muss ich mehr sagen?

Der Film heißt im Original „A little chaos“ und das trifft den Kern hervorragend. Jede Kreativität muss auch etwas Durcheinander haben. Und genau diese „Unordnung“ bringt Sabine De Barra in  André Le Notres streng geometrische, harmonische Gartenkonzepte. Das fängt bereits bei der ersten Begegnung an, als Sabine einen Pflanzentopf verschiebt und der große Meister ihr unbemerkt aus dem Fenster dabei zuschaut: Fasziniert, dass sie sich dem höfischen Protokoll so selbstverständlich widersetzt und irgendwo auch widerwillig beeindruckt, dass sie ihren Weg geht und ihm im anschließenden gemeinsamen Termin auch noch Gartenpläne vorlegt, die so weit entfernt sind von dem, was der königliche Auftrag vorsieht. Entgegen aller Argumente, die dagegen sprechen, entscheidet Le Notre, Sabine einen Teilauftrag zu erteilen. Eine vertiefte Gartenanlage mit einer opulenten Wasserkaskade, gedacht als Ballsaal im Freien. Konzipiert als Synergie aus seinen eigenen Entwürfen und den Ideen von Sabine. Die Arbeit steht zu beginn unter keinem guten Stern, wird doch alles argwöhnisch beobachtet von der Entourage am Hof. Dabei wird deutlich, dass all das Wirken in der Natur eigentlich nur ein Sinnbild dafür ist, wie das Leben gestaltet wird. Wie viel „Little Chaos“ wird zugelassen? Was darf „wild“ bleiben, wo braucht es Anpassung und Kultivierung?

Wer meckert: Hier ist nicht historische Authentizität oberstes Gebot! – das will der Film auch gar nicht. Es ist eine wunderschöne, in der Grundaussage irgendwo zeitlose und fiktive Geschichte, die hier erzählt wird.

Manche Dialoge muten durchaus sehr modern an wenn über Gefühle und Beziehungen gesprochen wird. Auch die Innenszenen am Hof sind nicht in Versailles, im Louvre oder Fontainebleau gedreht, sondern in Großbritannien.

Le Notre wäre zudem zwanzig Jahre älter als Ludwig XIV. gewesen.

Hier brauch man, wenn man eine faktenorientierte Verfilmung erwartet, eine gewisse Gelassenheit, – und macht es mir auch manchmal schwer – das ist sicher auch Geschmacksache, ob man das grundsätzlich will. Wer aber ästhetische Bilder mit bemerkenswerter Ausstattung mag und eine langsame, wenig verdichtete, schon fast ein wenig philosophisch angehauchte Geschichte aushält, die klar mehr als eine reine Liebesgeschichte ist, wird nicht enttäuscht. Definitiv ein Film für Regennachmittage.

Tolle Besetzung bis in kleine Nebenrollen und eigenständiges Potenzial hat für mich auch der Soundtrack von Peter Gregson.

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