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«DAS IST BESTER HEMINGWAY; NIEMAND HAT DAS PARIS DER ZWANZIGER JAHRE EINDRUCKSVOLLER BESCHRIEBEN ALS ER.» THE NEW YORK TIMES Als Hemingway 1956 nach Paris zurückkehrte, ließ er sich aus dem Keller des Hotels Ritz seine alten Koffer bringen. Sie enthielten Tagebücher und Aufzeichnungen aus den Zwanzigern, seiner Zeit als Auslandskorrespondent. Hemingway nahm sich diese frühen Notizen vor und formte daraus den Roman seiner Pariser Jahre. Für ihn war es eine glückliche, prägende Zeit, als er an der Seine angelte, bescheidene Gewinne beim Pferderennen in Champagner umsetzte, mit Gertrude Stein, James Joyce, Ezra Pound und F. Scott Fitzgerald zusammentraf. Hemingways letztes Buch führt zu seinen Anfängen zurück: Es ist eine Feier des Lebens und des Schreibens, ein Erinnerungsbuch voll jugendlicher Kraft und melancholischem Humor, das nun, neu übersetzt, erstmals in der vom Autor hinterlassenen Fassung vorliegt.

Eigentlich wollte ich in Anbetracht der Anschläge noch Warten mit der Rezension, aber: Hemingway beschreibt genau das, wofür wir Paris lieben und was nie verloren gehen darf.

Das Buch besteht aus 19 in sich abgeschlossenen Episoden, die unterschiedliche Qualität haben. Einige sind herrliche Anekdoten wie zum Beispiel der gemeinsame Ausflug mit Scott Fitzgerald, andere beschreiben die damaligen Verhältnisse wie die Geschichte übers Skifahrern in Schruns. Und in einer anderen deutet er mit schlechtem Gewissen die bevorstehende Trennung von Hadley an.

Was beschreibt er uns? Das Paris der 1920er, das Exil der intellektuellen Moderne, der „Lost Generation“. So schildert er den Kreis um Gertrude Stein, Ezra Pound, Scott Fitzgerald, T.S Elliot und James Joyce. Seine Erinnerungen an diese Zeit sind liebevoll, vital und aufstrebend. Allerdings war sein Aufenthalt zeitweise auch von Armut, Kälte und Hunger geprägt.  Er und seine Landsleute waren froh, der puritanischen Moral  in der Heimat entkommen zu sein. Sich immer wieder dem inquisitorischen Blick Gertrude Steins auszusetzen, schien für einige Zeit ein Leichtes zu sein. Man hielt sich über Wasser und wenn man nicht schrieb, stöberte man sich durch das Angebot von Shakespeare & Company, flanierte durch die Stadt, ließ sich am Fluss entlangtreiben, wettete auf gedopte Pferde und Landpartien galten als hübsche Abwechslung.

Francophile Leser und Parisfans kommen auf ihre Kosten, Hemingway schildert die Stadt detailliert und präzise, man flaniert mit ihm zusammen die Straßen und Plätze entlang. Und meistens kennt er dann auch ein Restaurant oder Bistro in der Nähe, es wird gut und viel gegessen und reichlich getrunken, wenn er irgendwo Platz nimmt. Natürlich drehen sich die Gespräche oft um Literatur, was die Lektüre besonders interessant macht, so wenn er mit Evan Shipman über Dostojewski redet und fragt: «Wie kann ein Mann so schlecht schreiben, so unbeschreiblich schlecht, und einen so tief ergreifen»? Um schließlich auf die Übersetzerin zu kommen, die Tolstois «Krieg und Frieden» doch so vortrefflich übersetzt habe, an der könne es ja wohl nicht liegen.

Womit wir beim Stil sind, in dem Hemingway selbst schreibt, eine eher karge, lapidare Sprache mit ebenso kurzen,  prägnanten Sätzen. Das wirkt oft so nüchtern wie ein Zeitungsbericht, und dennoch erweckt er das Lebensgefühl, die Aufbruchsstimmung jener Zeit zum Leben. Wer also blumige Texte und das märchenhafte Paris sucht, wird vielleicht enttäuscht sein.  Das heutige Paris ist nicht mehr das Paris,  wie es Hemingway beschreibt. Aber Paris ist immer noch das Symbol von Freiheit, Brüderlichkeit und Vielfältigkeit.
Darum sollte jeder der gerne liest,  „Paris- ein Fest fürs Leben“ lesen. Hemingway hat eines der schönsten, intimsten Bücher über Paris geschrieben.  Schon mit dem ersten Satz: Dann war das schlechte Wetter da. Und es wird wieder Frühling sein und Paris ein Fest fürs Leben.

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