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Was bedeutet eigentlich Schicksal? Nazneen, in den ärmsten Verhältnissen in Bangladesch aufgewachsen, wird mit 19 Jahren verheiratet und ins ferne England geschickt. Ohne Englischkenntnisse landet sie in der Brick Lane, dem »Klein-Indien« von London, bei einem ihr völlig fremden Ehemann. Chanu ist gut zu ihr, doch aus ihrer Wohnung kommt sie selten raus. Gegen seinen Widerstand lernt sie schließlich Englisch und nimmt eine Arbeit als Näherin an. Ganz langsam, mit Hilfe ihrer Töchter und getragen von ihrer natürlichen Lebensklugheit, verlässt Nazneen den ihr vorbestimmten Weg.

Brick Lane ist das indisch geprägte Viertel in London, in dem Nazneen inmitten einer vollgestopften kleinen Wohnung mit Beistelltischen,  Schonbezügen, Häkeldeckchen und Zertifikaten ein Leben als Hausfrau und Mutter führt. Die Zertifikate gehören Nazneens Mann Chanu und sollen demonstrieren, was er schon alles geleistet hat: vom Führerschein bis zum Philosophiestudium.

Nazneens einzige Leistung hingegen droht ihre Heirat nach London zu werden. Mit 19 wurde sie in Bangladesch  ihrem wesentlich älteren Mann versprochen und hat willenlos der Verheiratung zugestimmt.  Auch wenn Nazneen nicht studiert hat wie ihr Mann, so ist sie doch nicht dumm. Nach und nach entdeckt das kluge Mädchen auf dem Weg zur Frau, dass man sein Schicksal durchaus auch selbst in die Hände nehmen kann. Und so wird Brick Lane vom Gefängnis immer mehr zum Ort von weiblicher Befreiung.

Auf den ersten Leseeindruck scheint „Brick Lane“ entsetzlich langweilig, denn ein Großteil spielt in der Wohnung oder dem Viertel Tower Hamlets. Dennoch bietet einen Einblick in das Leben der Bangladeshi-Einwanderer in London, die in einer abgeschlossenen Welt leben: alle Sitten, Bräuche und Tagesabläufe sind genau wie in Bengal. Die Metropole London lernt Natzneen nur auf seltenen, heimlichen Streifzügen und bei einem einzigen Ausflug zum Buckingham Palast kennen, alle Menschen, die sie kennt, leben in dieser bengalischen Paralellgesellschaft und Integration ist nicht auch gar gewollt- Nazneen kann Jahre nach ihrer Einwanderung kaum Englisch und kaum jemand ermutigt sie, es zu lernen. Nazneens Alltag ist der einer gefügigen, muslimischen Frau, ihre Gedanken und Sehnsüchte aber sind das teils ganz und gar nicht. Einzig der Briefwechsel mit ihrer verstoßenen Schwester Hasina, sowie die Freundschaft mit der rebellischen Razia bringen Nazneen etwas Abwechslung. In vielen Fällen ist es mehr Mileustudie als Unterhaltungsroman. Das Leben in England bedeutet vor allem für die Kinder Naznees einen ständigen Spagat zwischen den Gepflogenheiten des Herkunftslandes ihrer Eltern und denen Englands, in denen sie sozialisiert wurden, es kommt zu diversen Konflikten, wenn die beiden Kulturen aufeinanderprallen.

Womit vermutlich die meisten Leser ein Problem haben werden, ist Nazneens fast schläfrige Gleichgültigkeit und Passivität: die kocht, putzt und schaut zum Fenster hinaus. Erst nach der Geburt ihre Töchter und der Freundschaft mit Razia beginnt sie aus ihrem gleichbleibenden Trott herauszukommen und selbstständiger zu werden.

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