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Vor einigen Tagen habe ich mir den Dokumentarfilm“ The King under the Car park“  über Richard III angesehen. Eigentlich war das eher Zufall als geplant auch wenn ich diese Geschichte schon etwas länger im Augenwinkel hatte – spätestens seit der Beisetzung Anfang des Jahres. Und nun war es einfach die Neugier des Geschichtsstudiums, dass ich gesagt habe: „Ja, ich sehs mir an.“

Richard III ist vermutlich das beste Beispiel, wie lange Medienkampagnen die Wahrnehmung verzerren können, wir reden hier ja nicht von einem jüngeren Opfer der Boulevardpresse, sondern von einem knapp 500 Jahre zurückliegenden Fall und einem sehr prominenten Stück von Shakespeare. Und dagegen anzukämpfen ist schwierig zumal es nur wenig erhaltenes über Richard III. gibt, wie viel vermutlich vernichtet wurde – gezielt oder zufällig – kann man nur ahnen. Und wo Richard III. bestattet wurde, war lange Zeit unklar. Zum einen durch die Legende, dass er in den Fluss geworfen sein sollte, zum anderen dass er in einem Kloster nahe des Schlachtfeldes bestattet wurde.

Und hier setzt es nun an. Angefangen hat es Philippa Langleys Kampagne Geld für eine gezielte Grabung an einem Parkplatz im mittelenglischen Leicester, wo zuvor die Greyfriars Chruch gestanden hatte. Dort wurde Anfang September 2012 wurde dabei ein Skelett gefunden, dass am 3. Februar 2013 später als Richard III identifiziert werden konnte.

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Ich stehe der Dokumentation noch etwas zwiespältig gegenüber – oder sagen wir eher Philippa Langley. Trotz mehrfacher Beteuerung ist sie keine neutrale Beobachterin, sondern ein Fan. Negative Aspekte über den Charakter Richards oder nüchterne Aussagen der Grabungsleiter werden vehement abgestritten und ignoriert, und man hat den Eindruck, sie will „ihren“ König mit allen Mitteln verteidigen und ihr durch und durch positives Bild von ihm nicht stören lassen. Das läßt die Dame nicht nur naiv, sondern einfach lächerlich wirken, wenn sie mit Tränen in den Augen aus dem Raum rennt, weil einer der Forscher feststellt dass Richard III nun mal eine Verformung der Wirbelsäule hatte. Langley versucht ihren König zu schützen, ihre Überzeugung ist echt, und beides kann man achten, aber es ist eine bewusst gewählte Blindheit und kein ausgewogener Blick.

Langley-Richard-Getty

Ein positiver Bereich hingegen waren die Forscher, die dass ein oder andere Mal vermutlich sehr starke Nerven bewahren mussten, die sich bemühen einen sachlichen Blick auf die Grabung, sowie die Funde zu vermitteln. Forschung ist nun mal immer unter „hätte, wäre möglich“ zu betrachten und erst wenn DNA die Bestätigung bringt, geht man an die Öffentlichkeit. Zugleich, auch wenn 90 Minuten dafür nicht ausreichen, stellt man klar. Richard III ist ein Machtpolitiker seiner Zeit und hat dementsprechende Entscheidungen getroffem.

Wer mir gefiel war der begleitende Journalist, der dem ganzen die angespannte Stimmung nahm und mit den ein oder anderen Kommentaren  für ein entspanntes Auflachen meinerseits sorgte und auch für den durchschnittlich Interessierten Laien eine gute Identifikationsfigur bildet.

Spannend anzusehen war diese Dokumentation in jedem Fall – auch wenn ich danach nicht gleich ein „Ricardian“ werde.

Anbei gibt es noch ein paar Links für die Interessierten:

Richard III Society

Richard III Fundation

University of Leicester: Greyfriars Project

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