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Oder traurige Männer – ganz wie man einen Blick drauf werfen will.

Kennt man es? Man liest einen Titel und denkt „Muss ich sehen“. Und genau das war es als die erste Staffel von „Mad Men“ angekündigt wurde.

New York 1960, die Werbeagentur Sterling Cooper, Old Fashioned mit Salzcrackern und Lachscreme dazu, Zigarettenrauch, Damen in engen Kleidern oder schwingenden Röcken, die Herren in Anzügen – Nein bei so einem Ambiente konnte ich nicht widerstehen. Und jede Staffel wurde geschaut.

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Ich liebe diese zelebrierte Dekadenz, die langsame Handlung, die runtergeht wie ein guter Whiskey. Und natürlich die Figuren – Mad Men fristet in Deutschland leider ein Schattendasein bei den späten Sendezeiten. Und dabei entgeht vielen Zuschauern in dieser Fernseheinöde eine der durchdachtesten Serien auf dem Niveau eines Kinofilms.

Für mich vor allem ist das authentische Lebensgefühl das wichtigste, in der letzten Zeit hatte ich meine Probleme mit dieser übertriebenen Political Correctness in sämtlichen Formaten. Erfrischend  war da bei Mad Men die Arroganz der Werbetexter gegenüber Frauen, die Tatsache das Afroamerikaner nur in den miesesten Jobs in Erscheinung treten, dass die Figuren rauchen und Alkohol in nicht gerade kleinen Mengen konsumieren. Ein Sinnbild für eine merkwürdige Disbalance in der Nachkriegswelt, die Bewegung unter Martin Luther King noch in weiter Ferne, Nixons Präsidentenkandidatur, die Kubakrise.

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Allen voran auch die Figuren Don Draper und Joan Harris/Holloway – mit Peggy Olsen konnte ich in den ganzen Staffeln nicht sehr viel anfangen. Wobei ihr Weg von der Sekretärin des Werbekönigs zur Executive Copywriter eine beachtliche Karriere für eine Frau darstellt.

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Joan mochte ich. Sie ist schön, elegant, klug und überlebt in diesem Haifischbecken – ihre Schönheit ist ihr Fluch und ihre stärkste Waffe. Und die emanzipierteste Frau, noch bevor das Thema „Frauenbewegung“ laut wird.

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Don Draper – was wäre diese Serie ohne Donald Francis Draper gewesen? Der Inbegriff von „Er hat es geschafft!“ – Perfekter Job, perfekte Frau mit zwei reizenden Kindern, einem großen Haus in der Vorstadt von New York und ungekrönter König der Werbetexter. Gäbe es eine lebende Personifizierung für „amerikanische Einsamkeit“, dann dürfte er das wohl sein. Rauchend, Trinkend, von einer Affäre zur Nächsten, zwei gescheiterte Ehen – man sollte meinen Arthur Millers Death of a Salesman und Edward Hoppers Bilder wären real geworden.

 

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Mad Men hat meine Sicht auf die Darstellung von Fernsehserien nachhaltig geändert. Die Sets, die Regie, Schauspieler, Kleidung, Style (Ich werde die Rauch- und Trinkszenen schmerzlich vermissen), die Musik! Gott ich kann Stundenlang darüber referieren.

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