Schlagwörter

, ,

51wOFcvBaRL

Venetia ist eine unverheiratete Frau von 25 Jahren, die als Waise zurückgezogen nur mit ihrem Bruder Aubrey im Yorkshire lebt. Nie hat sie größere Reisen unternommen oder andere Gegenden als nur ihren Wohnort kennengelernt. Sie hat nicht vor zu heiraten bis sie auf den Wüstling Lord Jasper Damerel trifft, dem ein verruchter und wilder Ruf vorauseilt. Er macht ihr sofort von Anfang an klar, wie sehr er sie mag und sie begehrt und mit der Zeit erkennt Venetia auch, dass sein Ruf schlechter ist als er selbst als Mensch. Über Monate hinweg sind Venetia und ihr Bruder  Freunde mit Lord Damerel. Doch eines Tages will er sie aufgeben, da er befürchtet nicht gut genug für sie zu sein. Letztendlich wendet sich doch noch alles zum Guten und Venetia findet ihr Glück mit ihrem Wüstling.

Das zweite Hörbuch ist ausgehört. Eigentlich wollte ich im Sommer doch schwimmen, Sparzieren gehen und, und, und – und was passiert? Ich höre Venetia weil das Wetter es momentan nicht zulässt außer in Outdoor-Regenjacke rauszugehen. Aber stattdessen eben eingekuschelt die nächste Runde Heyer.

Da ich zuvor ja zum Einstieg „The Convenient Marriage“ gehört habe, war ich auch gespannt ob mich wieder eine ähnliche Konzeption erwarten würde. Das Motiv ist gleich: ein Held, dessen moralischer Kompass nicht ganz nach Norden zeigt, aber im Grunde eigentlich besser ist als sein Ruf und eine weibliche Hauptfigur, die sowohl Herz als auch Verstand und einen eigenen Willen hat. Venetia ist schon mal alleine aufgrund ihres Alters eine ganz andere Persönlichkeit als die siebzehnjährige Horatia. Sie ist verantwortlich für den Haushalt von Undershore, ihren jüngeren Bruder Aubrey und muss sich zwei, zugegeben belämmerte, Verehrer vom Hals halten.  Sie ist herzlich, charmant und liebenswert – manchmal auch etwas zu perfekt, aber alles in allem eine Heldin, die man nur mögen kann.

Jasper Damerel hingegen ist ein Mann, der nach einem Skandal in seiner Jugend, dass er sich mit Anfang zwanzig in eine verheiratete Frau verliebt hat, in eine „Jetzt ist doch eh alles egal“-Haltung bezüglich seines Rufes eingerichtet hat und dementsprechend lebt. Daher fand ich es besonders schön, dass er bei Venetia nicht die „typische Nummer“ mit den galanten Flirt sucht, sondern sich wirklich bemüht ihr ein Freund zu sein.  Es ist eine glaubwürdige Liebe, die einem hier ganz ohne Brimborium und ohne fingerdick aufgetragenem Kitsch begegnet. Hierin steckt eine Botschaft, die meiner Ansicht nach sehr wertvoll ist: Jede große Liebe hat eine stabile Freundschaft zur Basis, zu der gehört, dass man versucht, einander zu verstehen und anzunehmen – selbst wenn man in einigen Dingen ganz unterschiedlich ist.

Sehr positiv sind  die liebenswerten Nebencharaktere, allen voran Venetias jüngerer Bruder Aubrey. Ich habe immer wieder gedacht: „Ja, genauso jemanden kennst du auch!“

Ein sehr schöner Roman von Georgette Heyer, der das Landleben Anfang des 19. Jahrhunderts beschreibt und später mit dem Londoner Stadtleben vergleicht. Mir persönlich hat  das Erwähnen des Kleidungsstils und der Gewohnheiten der damaligen Zeit gut gefallen. Alles in allem, hatte ich viel Spaß und werde diese Geschichte sicherlich noch das ein oder andere Mal hören.

Werbeanzeigen