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„»Jeden Tag komme ich am La Guardia Place an einem Schild vorbei; auf dem Schild steht: Unnötiger Lärm verboten. Jeden Tag frage ich mich, wie unnötig Lärm sein muss, damit er unnötig ist. Ich vermute, dass nur ein Talmudgelehrter dieses Schild zu interpretieren vermag. «Ein Jahr hat Lily Brett in der renommierten deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT über ihr Leben in New York berichtet. Die Texte zeichnen ein Bild der Stadt und ihres Lebensgefühls; sie fügen sich aber gleichzeitig auch zu einem Selbstporträt der Autorin, die es meisterhaft versteht, anhand von scheinbar alltäglichen Situationen über die großen Themen des Lebens nachzudenken

Lily Brett schreibt über New York. vorweg muss ich zugeben: Ich habe New York nie wirklich „auf dem Schirm“, für mich ist es eine abstrakte Stadt, die Hintergrundkulisse von Filmen, Nachrichten der Finanzkrise mit Bildern der leergefegten Börse und Urlaubsschnappschüssen von Freunden oder großen Bildbänden  und den Liedzyklus „Winter Songs“ von Maury Yeston, über den einsamen Sparziergang im winterlichen Central Park. Denke ich an New York, denke ich an die Beschreibungen von Sylvia Plath, an Carrie Bradshaws Apartment und Meryl Streep in Der Teufel trägt Prada. Oder wie es in „Eat Pray Love“ gesagt wurde: Was ist das Wort für New York? „Ambitioniert“. Oder „Krach“.

Egal, zurück zum Buch: Ich liebe Lily Bretts ironisch-neurotische Erzählweise.

Was erzählt Lily Brett in „New York“? Alltagssituationen. Situationen die in jeder Großstadt/Metropole dieser Welt vorkommen. Mich hat das Buch allerdings eher ernüchtert, melancholisch und auch etwas entnervt zurückgelassen. Alles was ich lese ist dieselbe große Einsamkeit die auch in Edward Hoppers Bildern findet. Und das all der Lärm, die Geschäftigkeit und die vielen Menschen, das Gefühl von  „Allein Sein“ nur an der Oberfläche kaschieren.

Geschrieben ist das ganze in kurzen Geschichten, in Episoden über das Leben der Autorin. Allerdings bleibt alles irgendwie vage und sehr flüchtig. Die Stadt bleibt weiterhin nicht greifbar. Aber, korrigiert mich, wenn ich mich irre, jeder hat sein eigenes New York und für jeden ist das Lebensgefühl, Lebenssituation anders. Die Obdachlosen, die sie beschreibt oder sie selbst sind mit denkbar anderen Problemen konfrontiert als der jeweils andere.

Alles in allem, hat sich der Ausflug in die „Kolumne“ gelohnt, aber sicher bin ich nicht, ob ich  diese noch einmal Lesen würde – aber in jedem Fall keine enthusiastischen „Ein Jahr in…“-Beschreibungen mehr, wo man ständig das Gefühl „Da ist jemand das erste Mal in der großen, weiten Welt“ vermittelt bekommt.

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