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Fünf junge Frauen auf dem Sprung ins echte Leben. Für sie ist New York ein flirrender Kosmos voll atemberaubender Möglichkeiten. Die eine sucht die große Liebe, die andere den Traumjob, die eine träumt vom Broadway, die andere von der Ehe. So unterschiedlich die Frauen auch sind, sie stürzen sich mit derselben Leidenschaft ins Leben, wild entschlossen, auszukosten, was die Stadt ihnen zu bieten hat.

Klappentext

Fünf junge Frauen aus dem Umland oder aus der Provinz, alle Anfang zwanzig, zieht es nach  New York.

Mary Agnes ist verlobt und spart eisern für ihre Hochzeit.

Caroline, die kühle, kluge und ehrgeizige Collegeabsolventin, kann ihren Ex-Verlobten nicht vergessen.

Gregg, Carolines Mitbewohnerin, die ihr Herz an einen erfolgreichen, aber launenhaften Theaterautoren hängt, von dem sie hofft, dass er sie heiratet.

April versucht sich im Showbiz, jedoch erfolglos, flattert von einem Mann zum anderen und landet schließlich überraschenderweise bei einem aus der Provinz.

Barbara ist bereits geschieden und lebt mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Tochter in sehr beschiedenen Verhältnissen, macht eine bescheidene Karriere und verliebt sich in einen verheirateten Mann.

Sie alle treffen sich beim Fabian-Verlag, wo sie aus unterschiedlichen Gründen einen Job als Schreibkräfte beginnen. 3 Jahre Lang beschreibt die Autorin die Höhen und Tiefen ihrer Figuren.

Alle Frauen sind unterschiedlich und jeder einzelnen fiebert der Leser mit und hofft auf das Beste für jede. Das liegt  an der sehr bildhaften Sprache, auch wenn zwischen den einzelnen Perspektiven oft  gewechselt wird, kommt man  sehr schnell wieder in die einzelnen Geschichten und Erlebnisse hinein. Man liest nie etwas doppelt, sondern erfährt das Geschehen aus einer anderen Sichtweise und erhält so noch tiefere Einblicke in die Gefühlswelt der jeweiligen Protagonistin. Nebenbei trifft man auch noch Kolleginnen, Freundinnen oder ehemalige Schul-/Collegefreundinnen der Hauptpersonen, die zumeist in ebendiesen angeblich so erstrebenswerten Zustand der Ehefrau geraten sind und sich nun für etwas Besseres halten.

Die Träume und Wünsche sind deutlich geprägt vom Frauenbild der 50er Jahre. Einerseits die klar definierte Rollenverteilung: Der Mann verdient Lebensunterhalt. Die Frau sucht sich möglichst schnell einen gut verdienenden Mann und heiratet, einen Job hat sie höchstens übergangsweise. Fortan verbringt sie ihr Leben damit, die Familie zu umsorgen und sich in dem jeweiligen Wohnort wohltätig zu engagieren. Die Sexualität der Frau ist sowieso gänzlich tabu, die Frau geht „unschuldig“ in die Ehe, wer außerehelichen Sex hat ist eine Schlampe und wer geschieden ist oder gar alleinerziehend hat ohnehin irgendetwas falsch gemacht. Andererseits herrscht nach dem Krieg eine Aufbruchsstimmung. Die jungen Leute, sofern von Haus aus Geld da ist, gehen aufs College und reisen nach Europa. Frauen suchen sich Jobs und versorgen sich selber, suchen sich Wohnungen und gehen in Bars und Restaurants, treffen sich mit Männern. Als arbeitende Frauen müssen sich einige nicht nur mit sexuellen Belästigungen am Arbeitsplatz, der ungeschriebenen Hackordnung und ähnlichen Unwegbarkeiten herumschlagen, sie verdienen oft so wenig, dass sie darauf angewiesen sind, sich von den Männern das Essen bezahlen zu lassen. Andernfalls bekämen sie nicht immer eine warme Mahlzeit am Tag. So aufgeklärt, gebildet und modern sie jedoch sind, im Inneren sehnen sie sich alle nach dem einen: nach dem Traummann.

Interessant an diesem Roman ist, dass sie gleich mehrere Tabus bricht. Sie konfrontiert den Leser mit den geheimsten Wünschen der jungen Frauen auf, nicht nur ihre Gespräche untereinander über Hochzeitskleider, auch über ihre sexuellen Erlebnisse und männliche Qualitäten. So erlebt der Leser nicht nur von außerehelichem Sex, sondern auch von ungewollten Schwangerschaften, Depressionen, Alkoholexzessen und Drogenmissbrauch.  Rona Jaffes Beschreibungen sind aus dem Leben gegriffen, die Protagonistinnen unglaublich authentisch, das macht das Buch auch über die Jahrzehnte hinweg absolut lesenswert.

Nicht jede Handlung kann man nachvollziehen, wie z.B. Gregg zur Stalkerin an ihrem Ex-Geliebten wird und so besessen von ihm ist, dass sie ihn Tag und Nacht belauert und sogar in seinem Müll herumwühlt.  Diese Besessenheit endet tragisch, und der Leser verharrt in Schock und in der Gewissheit, dass es eben im wahren Leben nicht immer ein Happy End gibt.

Auch Mary Agnes lebt in ihrer eigenen Welt, vollständig zufrieden damit, die Rolle der Hausfrau und Mutter zu spielen, die die prüde amerikanische Gesellschaft der 50er Jahre für sie vorgesehen hat. Jedoch spielt sie sie nicht, sie ist die perfekte Ehefrau. Und sie stellt nichts in Frage und geht voll in ihrer Rolle auf.

Die drei interessantesten und ausführlichsten  Charaktere sind Barbara, Caroline und April.

April, das naive Mädchen vom Land, hat romantische Träume von einer Karriere als Schauspielerin am Broadway und geht mit großen Augen durch die Welt, naiv davon überzeugt, dass das Glück nur auf sie wartet. Und doch erlebt gerade sie das Schlimmste, was einer Frau passieren kann. Beeinflusst von ihren konventionellen Vorstellungen hängt sie sich an einen Mann, der zu oberflächlich und selbstverliebt ist, um sie zu heiraten. Selbst als er sie zum Schwangerschaftsabbruch zwingt, bleibt sie bei ihm, denn als „gefallenes Mädchen“ will sie nicht enden. Als er sie verlässt, stürzt sie sich in eine Affaire nach der anderen und bricht gewaltsam mit ihrem konservativen Weltbild, dass bi dahin daraus bestand irgendwann zu heiraten und Kinder zu bekommen. Was ist man froh, dass sie doch noch ihr Happy End findet. Wieder in der Provinz, aus der sie innerlich nie ganz herausgekommen ist.

Am sympathischsten sind mir Caroline und Barbara. Barbara hat bereits eine Scheidung hinter sich und  lebt allein mit ihrer Mutter und ihrer 3-jährigen Tochter in einer kleinen Wohnung. Sie  ernährt alle von ihrem anfangs kümmerlichen Gehalt und muss zunächst damit Klar kommen, dass ihr Mann sie verlassen hat. Sie macht jedoch eine bescheidene Karriere als Lektorin und ist meines Erachtens somit die modernste der Frauen: Alleinerziehend, hin und her gerissen zwischen ihrer Karriere und ihrem Anspruch, den Job perfekt zu machen, und ihrer anerzogenen Mutterrolle. Geplagt von Schuldgefühlen muss sie die Tochter zur Mutter geben, damit sie sich mit Kunden auf ein Essen oder einen Cocktail treffen kann. Sie hat zwar ihre Dates, hat es aber mit dem Stigma „Geschieden“ und mit einem Kind natürlich besonders schwer, einen Mann zu finden, der die Verantwortung für alle drei zu übernehmen bereit ist. Und ausgerechnet sie, die immer still, bescheiden und absolut korrekt ist, verliebt sich in einen verheirateten Mann, der  so ehrlich und fair ist und sie nicht in Verlegenheit bringen will und daher beschließt, dass sie sich nicht mehr sehen dürfen. Dass es  doch ein Happy End gibt, ist völlig überraschend, und wem würde man es mehr gönnen als Barbara?

Auch Caroline gönnt man nichts mehr als wieder glücklich zu werden. Auch sie macht Karriere und wird Lektorin, dabei hat sie den Job nur angenommen, um weit weg zu sein von zu Hause, wo sie alles an Eddie, ihren Ex-Verlobten, erinnert, der sie ziemlich mies abserviert hat. Auch sie kommt aus einer recht konservativen, gutbürgerlichen Familie. Ihre Mutter will sie nur gut verheiraten, ob da Liebe mit im Spiel ist, ist völlig irrelevant. Caroline bleibt zunächst kühl, distanziert und arbeitssam, eine gute Freundin für April und die anderen, die Trösterin und Verständnisvolle, jedoch hart und unerbittlich zu sich selbst. Sie flüchtet sich in ihre Arbeit und ihre Verabredungen, ohne wirklich etwas zu fühlen oder tiefere Absichten zu hegen. Nur kurz und im Geheimen gönnt sie sich die Erinnerung an ihren Ex und die Erkenntnis, dass sie ihn noch liebt. So baut sie sich ein Leben auf, das in ruhigen Bahnen verläuft. Bis ihr Ex auftaucht. Die beiden stürzen sich in eine leidenschaftliche Affaire, Caroline schwebt auf Wolken – bis sie erkennt, dass Eddie nicht die Absicht hat, seine Frau zu verlassen und stattdessen sie zu heiraten. Er besitzt sogar die Dreistigkeit, ihr vorzuschlagen, sie solle als seine Geliebte mitkommen, er versorgt sie, und sie hat zur Verfügung zu stehen, wann immer er will.

Zum Glück findet Caroline zu ihrem Stolz zurück und lehnt dies ab. Dass ausgerechnet der schwache und dabei so dreiste Eddie dann das letzte Wort im Roman hat, schmälert das ansonsten schöne Lesevergnügen etwas.

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