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Kaffeepauseicon Vor ein paar Tage, habe ich dieses Interview gelesen. Und zunächst war ich selbst ziemlich zögerlich, ob ich darüber schreiben soll. Und dann war doch: Ja, ich will.

Mobbing ist mittlerweile kein Ausnahmephänomen mehr, sondern etwas was jeden treffen kann. Aber was ist Mobbing überhaupt und wann fängt es an? Ich habe es fünf Jahre selbst erlebt, wie es ist wenn sich eine Gruppe gegen dich zusammenschließt und alles daran setzt dich fertig zu machen. Und das nicht nur mit heimlichem Getuschel oder Lästern, sondern mit direkter Beleidigung, Drohung – Gott sei dank keiner körperlichen Gewalt. Und warum? Weil man „anders“ ist. Aber wer definiert eigentlich anders? Es gibt, meiner Meinung nach, eine konkrete Vorstellung wie Kinder, Jugendliche sein sollen und wenn etwas aus diesem Schema herausfällt, egal in welcher Art, ist es anders. Und wenn man selbst mit einem Instrument in die Schule kommt, weil hinterher Musikunterricht ist oder man ein Buch in der Hand hält und das nicht nur zur Dekoration, dann scheint das Grund genug zu sein. Und ich kenne das Gefühl sich zurück zu ziehen an den „inneren, glücklichen Ort“ – ein Mittel um mit der ganzen Situation fertig zu werden und auch um innerlich im Gleichgewicht zu bleiben. Und wie oft habe ich mir die Frage gestellt: Was habe ich euch eigentlich getan? Es hat ziemlich lange gedauert zu verstehen, dass nicht ich das Problem war, sondern das diejenigen, die das getan haben, weil sie nicht verstehen und damit umgehen konnten. Und was nicht in ein festgeformtes Bild passt, soll verschwinden.

Es ist eigentlich seltsam, wie diese Dynamiken funktionieren. Wir alle werden als Kinder ermutigt so zu sein, wie wir sind und uns wird vermittelt: es ist richtig wie du bist. Und das endet in dem Moment, wo wir in eine Welt außerhalb der Familie kommen: Kindergarten, Schule etc. müssen wir lernen mit anderen umzugehen. Und das kann ein sehr harter Prozess sein, wir sind mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, Ansichten und Erziehungsmustern konfrontiert, einige sind unseren ähnlich, andere nicht. Wir müssen sie ja nicht mal mögen, aber wichtig ist der Respekt  und das ist etwas, was ein sehr harter, langer Lernprozess ist. Es dauert lange, jedem Menschen Respekt entgegen zu bringen aber sich genauso bewusst zu werden: Auch ich habe Respekt verdient.

Was zu dem Thema Social Media führt. Social Media ist toll, auch ich halte über Facebook und co Kontakt zu Freunden und Bekannten, die ich nicht oft oder regelmäßig sehe. Und ich blogge – Hallo erst mal, wenn das nicht Social media in Reinform ist, weiß ich es auch nicht. Aber in dem Moment, wo man sich entscheidet eine „öffentliche Bühne“ zu betreten, beginnt auch etwas anderes: die Kreation eines öffentlichen Bildes.  Das ist nicht nur im virtuellen so, sondern auch in unserem Umgang im „real life“. Wir nehmen tausend Rollen ein: Kind, Partner/in, Freund/in, Kollege/Kollegin etc. Etwas anderes ist es im Social Media Bereich nicht. Es muss nicht einmal weit weg von unserer Persönlichkeit sein, aber wir werden auch niemanden mit unserer weniger vorzeigbaren Seite konfrontieren. Wir können uns auch ganz neu erfinden, ein Ventil um etwas auszuleben, was es in unserem Alltag keinen Platz hat oder man im direkten Freundes/Bekanntenkreis niemanden hat der diese Seite teilt.

Allerdings hat das nicht nur seine positiven Seiten. Genauso wird es auch in diesem Bereich Menschen geben, die alles daran setzen, zu beleidigen und einen anderen fertig zu machen. Sogar noch mehr, weil man sich hinter einem Fantasienamen oder „Anonym“ verstecken kann. Wie soll man darauf reagieren? Oder soll man es überhaupt? Man kann es auch einfach Löschen, man kann denjenigen aus der „Liste“ löschen. Aber nutzt das was. Es hat dennoch auf eine Art Weh getan – genauso als hätte derjenige es einem ins Gesicht gesagt. Aber manchmal schmerzt es noch mehr, weil derjenige sich hinter einer Tastatur versteckt. Und so schreibt, wie er sprechen würde. Und damit muss man klar kommen  und lernen, dass nicht an sich heran zu lassen. Eleanor Roosevelt hat einmal sehr schön gesagt: No one can make you feel inferior without your consent. Und genau das ist der Punkt, wenn man es zulässt, dass diese Worte verletzen, werden sie verletzen.

Was soll man aber tun? Sich in seinem Zimmer verstecken und glauben die ganze Welt ist gegen einen? Nein. Das ist der Falsche weg. So pathetisch es klingt: Es gibt immer Menschen, die ähnlich denken und fühlen. Aber noch wichtiger: wieso bitte verstecken? Ja, man brauch es und sich zurückziehen ist notwendig um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, aber genauso wichtig ist danach wieder einen Weg nach „draußen“ zu gehen. Denn erst dann ändert sich was.

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