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England in den Wirren der industriellen Revolution: die selbstbewusste, prinzipientreue Pfarrerstochter Margaret Hale zieht mit ihren Eltern vom ländlichen Süden in eine aufstrebende Metropole im Norden. Nur langsam gewöhnt sie sich an den Rauch, den Lärm und den rauen Umgangston. Als sie den erfolgreichen Fabrikbesitzer John Thornton kennenlernt, wird er zur Zielscheibe ihrer Vorurteile. Noch ahnt sie nicht, welch einflussreiche Rolle er bald in ihrem Leben spielen wird… Der viktorianische Klassiker von Elizabeth Gaskell, der bereits zweimal von der BBC verfilmt wurde, liegt nun endlich in einer zeitgemäßen deutschen Übersetzung vor.

Ich möchte hier eines meiner liebsten Bücher vorstellen, was mich schon lange begleitet. Und auch mein erstes, außerhalb der Schule, englisches Buch war.

Einige kennen Elizabeth Gaskell vornehmlich als erste Biografin Charlotte Brontes oder durch den Roman „Cranford“. Ähnlich wie dort entwirft sie uns ein Bild der 1850er Jahre. Margaret Hale zieht mit ihren Eltern aus dem beschaulichen Südengland in die aufstrebende Industriestadt Milton. Dort wird sie mit einer Gesellschaft konfrontiert die sich völlig von ihrer gewohnten Welt unterscheidet: ein rauer Umgangston und ein Aufeinanderprallen von Arm und Reich.

Anders aber als Bronte schriebt Gaskell nicht in wildromantischer Landschaft Yorkshires, sondern entwirft ähnlich wie Dickens oder Austen ein Gesellschaftsbild. Die südenglische Salon- und Landgesellschaft, die sich entwickelnde Arbeiterschicht, die zu Wohlstand gekommenen Großfabrikanten, der Klerus und die unterschiedlichen Generationen kommen zu Wort. Ohne eine direkte Position oder eine romantische Färbung betrachtet man diese sich verändernde Welt. Das ist mir besonders an den Familienkonstellationen aufgefallen: in Südengland sieht man das Bild der Großfamilie und „Who is who?“, während in Milton vornehmlich Kernfamilien gezeigt werden. Diese Konzepte schlagen ebenso aufeinander wie die unterschiedlichen Vorstellung von Verantwortlichkeit.Während Margaret aus der „alten“ Feudalgesellschaft zu kommen scheint, in der man Almosen verteilt und eine Patronatsfunktion für Menschen übernimmt, ist die dem „Norden“, durch John Thornton oder die Familie Higgins vertreten, völlig fremd. Dennoch schafft es sich die „neue Generation“ durch Margareth und John Thornton sich aneinander anzunähern.

North & South

Die meisten werden auch sicher die Verfilmung von 2004 gesehen haben (und wie ich sie liebe!), dennoch empfehle ich in jedem Fall auch die erste, 1975 gedrehte Version mit Patrick Stewart und Rosalind Shanks. Sie ist völlig anders, der Schauspielstil, die Dialoge, die Wirkung zwischen John und Margaret – ich musste mich manchmal selbst sehr überreden weiter zu schauen – aber dadurch fiel mir auch auf, wie unterschiedlich man die Geschichte erzählte. Und ich gebe zu: Ich hätte mir in der 2004er Version manchmal etwas mehr Dialekt gewünscht, auch von Seiten John Thorntons und nicht nur wenn er in Rage ist. Und entspricht auch die Margaret dieser Version meiner persönlichen Vorstellung Margarets. Aber das ist ein anderes Thema.

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