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Wie vermutlich die meisten Menschen verbringe ich einen Großteil des Tages an meinem Bildschirm, mit Google, Bing, meinem Postfach für digitale Mitteilungen sowie diversen YouTube und Spotifyangeboten. Und seit einigen Wochen (Monaten) kommen mir dabei immer wieder diverse „30 Day Challenge“-Ideen unter die Nase. Die einen eher im Bereich Sport, Lifestyle, Musikgeschmack, Bücher.  Tausend Fotos und Texte über das Leben eines anderen, das ich mit verfolgen kann auf der Suche nach dem besseren Selbst.

Und was schleicht sich ein: Ich würde das auch gerne machen! Boah, ich will auch nach London/Rom/Paris/New York und mit dem Motorrad quer durch die Wüste brettern! Ich will auch endlich gesünder Leben, morgens den Smoothie trinken und leichte Mahlzeiten zu mir nehmen, täglich Sport machen und nebenher noch ganz locker meinen Alltag bewältigen. Und jedes mal stelle ich fest: Ich bin doch keine eierlegende Wollmilchsau!

Jedes Mal wenn ich diese ganzen schön gestalteten, gefilterten Bilder sehe, fällt mir ein: wie viel Disziplin, wie viel Gestaltungstalent und noch viel mehr müssen diese Damen an den Tag legen. Ich kann nicht malen, mein Sportprogramm beläuft sich auf 2 – 3 Tage die Woche je eine halbe Stunde, mein Essensplan gestaltet sich nach dem Prinzip: Darauf hab ich gerade mal Lust und für den ausgedehnten, mehrwöchigen Urlaub in einer aufregenden Stadt habe ich keine Zeit, Urlaub ist für mich Erholung, Ruhe und Entspannung. Städtereisen sind toll, aber wenn ich die ständig machen würde, wäre ich schnell am Ende.

Und: Ich fühle mich dennoch wohl! Stört jemanden dass ich nicht im neusten Trend rumrenne, nicht meine innere Mitte dank Yoga und Pilates gefunden habe, und wieso war mir noch mal wichtig ne neue Musikanlage zu haben, wo mein jetzige mir seit mehr als 10 Jahren Spaß macht? (Wer sieht sie außer mir?)

In diesem ganzen Optimierungswahn ist es doch viel schöner einfach „Stop!“ zu sagen und einfach mal abzuschalten. Will ich jetzt unbedingt Dostojewsky lesen (hat man doch eh meistens im Regal um etwaige Besucher zu beeindrucken) oder fröne ich meiner „guilty pleasure“ und lese den kitschigsten Liebesroman den mein Regal hergibt? Und kein Mensch kann mir erzählen, dass er eben nicht doch dann mal eben zur schnöden, seichten Unterhaltungsliteratur greift, wenn er in bequemsten und gammligsten Klamotten auf der Couch lümmelt. Oder noch eher. Zur DVD. Vor etwas mehr als 10 Jahren hat Farin Urlaub es aber doch schon sehr treffendend besungen:

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