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You’re twelve years old. Your mother’s a junkie and your father might as well be dead. You can’t read or write, and you don’t go to school. An average day means sitting round a bonfire with your mates smoking drugs, or stealing cars. Welcome to Urban’s world. Bernard Hare was on society’s margins, living on one of Leeds‘ roughest estates and with a liking for drink and drugs. So he knew what life in the underclass was like in ’90s Britain. But even he was shocked when he met Urban, an illiterate, glue-sniffing twelve-year-old. And through Urban he got to know the Shed Crew — an anarchic gang of kids between the ages of ten and fourteen; joy-riding, thieving runaways, who were no strangers to drugs or sex. Nearly all had been in care, but few adults really cared. Bernard decided to do what he could. He didn’t know what he was letting himself in for.

Auf vielfache Empfehlung habe ich das Buch bestellt und gelesen.

Wir befinden uns im Leeds der frühen 90er. Chop, ein ehemaliger Sozialarbeiter mit Alkohol- und Drogenproblem, rettet dem 12-Jährigen Urban aus dem Kanalwasser. Innerhalb kürzester Zeit werden die beiden unzertrennlich und Urban führt Chop in die „Shed Crew“ ein, eine Gruppe Jugendlicher die in den Hinterhöfen der Arbeitersiedlung lebt. Chops Wohnung, in einem Sozialbau wird zunehmend ein Anlaufpunkt für die Teenager zwischen 10 und 15 Jahren. Chop, selbst von der Gesellschaft desillusioniert, versucht in seiner Situation für die Kinder und Jugendlichen zuzuhören, mit ihnen zu reden, bringt ihnen Schach spielen bei oder gewährt ihnen einen Rückzugsort. Diese Verantwortung zwingt Chop zu einem Vorbild zu werden, weniger Alkohl, weniger Drogen.

Ich glaube, was mich am meisten betroffen gemacht hat, war die Vorstellung, das es alles auf realen Erlebnissen basiert. Kinder, die durch „das System“ gefallen sind, die ihr Leben irgendwie in den Griff kriegen müssen und weil keiner sich für sie interessiert, tun sie es selbst. Wenn man selbst aus sicheren Verhältnissen stammt, wirkt es im ersten Moment so surreal wie eine Rocky Horror Picture Show, das diese Realität genauso neben unserer eigenen, gepflegten Reihenhauswelt, mit Garten, 2 Urlauben im Jahr und niedlichen Katzenvideos existiert. Jedes der Kinder hat bereits einen persönlichen Leidensweg hinter sich gebracht, während man selbst vielleicht höchstens mal mit einer schlechten Note nach Hause kam. Und dann liest man von einem Jungen der nicht Lesen und Schreiben kann, geschweige denn Ahnung hat, dass Leeds eine Stadt in England ist.  Das erschreckt massiv. Auf der anderen Seite: keine der Figuren bemitleidet sich, was man wohl erst mal annehmen würde, wenn man voraussetzt das ein Außenstehender eine Milieustudie betreibt. Oder einen lieben, pychologisch geschulten Sozialarbeiter der die Kinder wieder in „die Gesellschaft“ zurückholen will. Und Chop ist alles andere als ein überzeugter Held der guten Sache. Genaugenommen ist er schlimmer dran als die Kinder selbst: desillusioniert, zynisch, Drogenkonsument und Säufer.  Teilweise wollte ich Chop ohrfeigen, ihn schütteln und schreien: Verdammt noch mal, krieg dich und dein Leben endlich in den Griff! Auf der anderen Seite, war auch irgendwo ein Verständnis für ihn da und nie Mitleid. Chop ist durchaus ein belesener, intelligenter Mensch, aber auch unfähig für sich selbst Verantwortung übernehmen zu wollen bis er durch die Anhänglichkeit und das Vertrauen der Kinder gezwungen ist, es zu tun. Irgendwo tut das, in dieser ganzen Zeit gut, zu sehen: Okay, der Mann wächst doch auch durch diese Aufgabe. (Gott klingt das pathetisch!).

Das Buch ist alles andere als einfach: es verstört, es erheitert, es provoziert und man lernt trotz allem die Kinder und auch Chop lieben – vor allem durch den sanften, ironischen Ton, der dem ganzen einen knackigen Humor verleiht.

„Hare’s prose os punchy, his anecdotes entertaining… But Urban Grimshaw is most memorable for it’s tenderness.“ – Toby Lichtig, Observer

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