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Sylvia Plath und Ted Hughes verliebten sich 1956 und heirateten schon nach wenigen Monaten. Dass sie beide dichteten, war wesentlich für die Anziehung zwischen ihnen. Beide waren ehrgeizig, getrieben zu ihrer Kunst und von Herzen gewillt, sich gegenseitig zu fördern und zu fordern. Sechs Jahre lang. Bis Hughes mit einer anderen Frau ein Kind zeugte, und Plath, zermürbt von dem Balanceakt zwischen Muttersein und Schreiben, in Depressionen versank und sich schließlich im Februar 1963 mit 30 Jahren das Leben nahm. Diane Middlebrook führt die Geschichte des Künstlerpaares weit über Sylvia Plaths Tod hinaus fort. Die letzten Kapitel widmet sie Ted Hughes, den die Bedeutung dieser großen Liebe und seiner Rolle als Sylvias Ehemann bis zu seinem Tod 1998 nicht losließ. Der Autorin gelingt das Kunststück, die Beziehung der beiden ohne Fragen nach Schuld und ohne ­voyeuristische Details darzustellen. Klug und voller Umsicht arbeitet sie die Faszination wie die Nöte heraus, die ein Paar erlebt, wenn es sich im Geist so nahe ist und gleichzeitig Kunst, Alltag und Familien­leben zu bewältigen hat. – Klappentext

Wie einige wissen, bin ich bekennende Ted Hughes-Leserin. Und wenn man Hughes liest, kommt man um Sylvia Plath nie herum anders herum schon). Jahrzehnte lang wurde Hughes als Mörder von Sylvia Plath angesehen, sowohl im übertragenen als auch literarischen Sinne.

Die Biografie von Diane Middlebrook setzt sich, Gegensatz zu anderen Biografien, nur mit der Ehe auseinander. Von dem ersten Treffen 1956 in Cambridge bis zur Trennung 1962 und dem Suizid Sylvia Plaths im Februar ’63 befasst sie sich mit der größten Problematik, an der Plath schlussendlich zerbrochen ist: dem Spagat zwischen dem gesellschaftlich akzeptierten Bild als Ehefrau und Mutter und der Verwirklichung als Dichterin und Autorin.

Ted Hughes selbst ist sich, den Briefen nach zu urteilen, dieser Problematik durchaus bewusst gewesen und, dass er damit  umgehen konnte.  Umso wichtiger ist, das er sich um den Nachlass, die Editierung und Herausgabe gekümmert hat. Auch in dem Bewusstsein das diese Ehe ein Kulturgut des 20. Jahrhunderts werden würde, hat er ein bestimmtes Bild gefördert und geformt: das einer schwierigen aber untrennbaren kosmischen Beziehung, die das literarische Schaffen der beiden beeinflusst hat. In der Hinsicht hat sich Ted Hughes auch ein Bild, neben dem des launischen Poet laureate, dem Autor von Crow, Iron Man und diversen Theateradaptionen auch „der Ehemann von Sylvia Plath“.

Die Doppelbiografie ist stimmig und lässt sich flüssig lesen. Beide Personen und Persönlichkeiten werden ausgewogen behandelt. Das was mich verwundert hat, ist die Abwesenheit von Fußnoten, wenn Briefe oder Gedichte zitiert werden. Im Anhang finden sich allerdings sämtliche Werke auf die Bezug genommen wird.

Fazit: Eine Gut lesbare Doppelbiografie, die beiden Partnern ausgewogen begegnet.

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