Santa Clarita Diet

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Sheila und Joel Hammond sind Immobilienmakler im kalifornischen Santa Clarita. Mit ihrer Teenagertöchterchen Abby  leben sie ein komfortables Leben in der gediegenen Vorstadtsiedlung von Santa Monica mit großem Haus, gepflegtem Garten und anstrengenden Nachbarn. Das Leben der Familie nimmt eine dramatisch–komische Wendung, als Sheila sich in einen Zombie verwandelt.

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Auf der Suche nach einem Heilmittel, bei der Jagd nach menschlichem Frischfleisch für Sheila und der Notwendigkeit, Sheilas Zombiedasein geheimzuhalten, geraten die Hammonds in immer absurdere Situationen. Einzig der Nachbarsjunge Eric, ein Nerd, der unsterblich in Abby verliebt ist, wird eingeweiht und zu einem wichtigen Verbündeten.

Ja, das ist doch mal mein Humor. Rabenschwarz. Und Drew Barrymore, die ich vor allem als zuckersüße Danielle in Erinnerung habe.

Zugegeben die Geschichte ist ziemlich schrägt und erinnert mich fast ein wenig an Formate wie „Married with Children“, eine Persiflage auf diese ganzen heile Welt – Familien-Formate, mit Hochglanz Wohnungen in der kein Staubkrümelchen zu existieren scheint und die Lilien in den Vasen bestimmt nicht duften.

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Sheila ist herrlich verschroben mit ihrer „Proteinreichen Diät“ – So langsam wird es für mich Zeit Staffel 2 zu schauen.

 

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10 Gründe „Patrick Melrose“ zu sehen [und warum ich mich von B.C nun ganz verabschiede]

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Patrick Melrose ist wohl eine der am meisten Besprochenen Mehrteiler 2018 und auch ich habe nach einem Monat immer noch mal das Bedürfnis verspürt, noch mal in die einzelnen Folgen reinzuschauen. Es gibt genügend gründe, in meinem fall 10 noch einmal die semibiographische Lebensgeschichte von  Edward St Aubyn zu verfolgen. Aber gleichzeitig wurde mir bewusst: Benedict Cumberbatch und ich gehen wohl Filmisch getrennte Wege, doch dazu später.
Also, warum sollte man Patrick Melrose unbedingt sehen.
1. Benedict Cumberbatchs Darstellung
  Zweifelsohne zählt Benedict Cuemberbatch zu den besten Schauspielern seiner Generation, egal ob als Hamlet, Frankenstein, Schöörlock oder Christopher Tietjens. Aber Patrick Melrose war sein Meisterstück. Er hat ihn zu 100 % getroffen und war so überzeugend, dass ich mich regelmäßig dran erinnern musste, dass es ein Schauspieler ist. Ich habe mit Patrick mitgelitten, gelacht und wollte ihn schlagen. Mein aufrichtiger Respekt.

2.  Großartige Geschichte, Dialoge und der Humor

 Es gibt glaube ich nichts besseres, als eine schlüssige, gutgeschriebene Geschichte, an dem man am Ende lacht, nachdenkt, weint und fühlt. Das ist absolut getroffen worden. Patrick Melrose war ein Druckkessel an Show, dynamisch, roh und rauh, lustig und traurig zugleich.

 

3. Die Geschichte war real und anrührend. Ich lasse lieber Bilder sprechen:

 

4. Patrick Melrose hält einige böse Lebensweisheiten bereit…

Und die Tatsache, dass in dem Moment wo das Leben dir ordentlich vor dein Schienbein tritt, du jedes mal ganz alleine dastehst und damit fertig werden musst.

 

5. … und Hoffung

   Aber mit den richtigen Menschen, wird es dann doch leichter. Patrick Melrose ist eine Geschichte von der Suche nach dem, was wir uns alle Wünschen: Liebe, Akzeptanz, Unterstützung, Frieden. Er kämpft mit seinen ganz eigenen Dämonen, manchmal klappt es und manchmal eben auch nicht.

 

6. Ein Blick hinter die perfekte Glitzerfassade der gehobenen Gesellschaft.

Und alleine das kann einem ein echter Augenöffner sein.

7.  Ein neuer Standart an Qualität und was in Serien möglich ist.

Diese Serie wird definitiv ein neuer Gradmesser sein, was künftig in Serien möglich ist. Es gibt hier schlichtweg keine Zufälle. Es ist zur Perfektion poliert: visuell, sinnlich und die Musik.

 

8.  Die Cast

Jennifer Jason Leigh und Hugo Weaving  dürften wohl das schlimmste Elternpaar der Fimgeschichte gewesen sein.
Pip Torrens, Sebastian Maltz, Holliday Grainger etc., Applaus! Euophorie Euphorie!

9.  Regie und Kameraführung (samt der ganzen Crew)

10. Eindeutig einer der besten Filme der letzten Jahre.

Zeitnehmen, ansehen. Das war kein Rat.

Aner nun zu dem etwas reißerischen Zusatz. Hiernach weiß ich nicht ob ich noch mal irgendwas sehen will, kann, was Benedict Cumberbatch spielt. Ja, Avengers 4 okay. Aber insgesamt?
Es gibt zwei Rollen, in denen er mich Niedergeschossen hat: Christopher Tietjens und nun Patrick Melrose. Diese Rollen kann er mir, egal was kommt, nicht kaputt machen. Aber… ich bin es auch leid. Ich will ihn nicht mehr in Freakrollen sehen, keinen hochfunktionalen Dedektiv, kein Soziopath, kein Egomonster. Das Metier beherrscht er, zweifelsohne und es hat ihm Erfolg gebracht, aber alles ist eine Variante von Sherlock. und nein, sein Richard III war für mich eine absolute Katastrophe, das kann Larry nach wie vor Klassen besser.
Also, in diesem Sinne, glaube ich lasse ich meinen Pantheon genau so stehen, und was immer er hiernach spielen wird, kann mir egal sein.

Julie & Julia, 2009

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Was soll ich sagen: Ich liebe diesen Film! Getreu wie Julie in diese Film sagt: Das man an einem Tag an dem nichts funktioniert hat, nach Hause kommen kann und die Gewissheit hat: dass ein Gemisch aus Schokolade, Zucker, Eigelb und Milch, dass das eindickt

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Ich hatte auch das Buch gelesen und war fürchterlich enttäuscht. Julie ist eine verzickte, weinerliche End-Zwanzigerin, gefrustet von ihrem gescheiterten (Wunsch-) Leben und auf der suche nach einer Aufgabe. Daraufhin entscheidet sie sich das Buch „Mastering the Art of french cooking“ innerhalb eines Jahres zu kochen.

Und Nora Ephron Hallo? Harry & Sally? Mail an dich? Paris, New York, Essen, Meryl Streep, was kann da noch falsch laufen?

Wie immer, hat eine solche Verfilmung die Herausforderung: wie bringe ich eine Story gut rüber, die auf dem Papier reichlich lahm erscheint. Was macht Julie außer Jammern und dann essen (ehrlich gesagt, frage ich mich überhaupt ob das Essen, was sie versuchte zu kochen essbar war). Darüber hinaus fehlte mir die Freude am Kochen, am ausprobieren – und zugegeben – ich hab das ein oder andere Ausprobiert, die Rezepte sind tatsächlich idiotensicher, alles was man braucht ist ein wenig Gespür für Würzen und Verständnis für Produkte. Und Zeit, sehr viel Zeit.

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Anders der Film: Gib mir Bonbons, gib mir Plüsch. Nach diesem Film hatte ich Hunger auf Schmortopf, gefüllte Blätterteigpasteten und Mousse. Es beginnt ende der 1940er Jahre als Julia Child mit ihrem Mann Paul nach Paris zog und nach einer neuen Aufgabe suchte. Nach einigen gescheiterten Versuchen im Bridge, Hutmacherei und ähnlichem entscheidet sie sich für einen Kochkurs in der Schule Le Cordon Bleu, wo sie 1951 abschloss. Der Kurs ist ein Profikurs, der seinerzeit für GIs angeboten wurde, damit diese nach Ablauf ihrer Dienstzeit einen Beruf ausüben konnten.

Queens hingegen ist weniger glamorös. Long Island City besteht aus einem 83 m² Appartment über einem Pizzaservice, der eher überfüllten u-Bahn und dem Kastenbüro von Julie. Deren Geschichte reduziert sich auf die paar Schritte Küche in der Julie Hummerattacken überlebt, bergeweise Butter schmelzen lässt und mit Aspik die Spüle ruiniert.

Das Essen ist nicht so elegant gediegen, wie auf den Pariser Dinnerpartys, aber irgendwie mochte ich es. Die meisten Menschen kochen nunmal zuhause und die Teller sidn nicht immer passend. Und ich kriege Fangirlanfälle wenn Eric Messina, der Julies Ehemann spielt, den Schokoladenkuchen löffelweise futtert und ganze Bruschettascheiben mit Genuss verputzt. Einfach weil das Essen richtig gut ist.Auch mag ich, dass die Fim-Julie nicht so harsch und zickig ist wie die Bloggerin. Sie ist weicher, liebevoller, auch wenn sie dne ein oder anderen Weinkrampf erleidet, steht sie auf und macht weiter.

Insgesamt ist es einfach einer meiner absoluten Feel-Good-Filme, den man Sonntags schaut. EIngekuschelt mit einer Packung Kekse.

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Bon Appetit

The Babadook, 2014

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 Herbst bedeutet: Horrorfilme, Gruselfilme, Gothic! Ich bin zwar kein Freund von der kommerziellen Variante von Halloween, auch wenn es in Europa ebenfalls Traditionen am Abend vor Allerheiligen gibt. Ich stelle Laternen und Wurzelmännchen in die Fenster um die Wintergeister zu verscheuchen.
Aber im Herbst genieße ich auch Filme mit Grusel und Horrormomenten. Hier gibt es also eine Empfehlung meinerseits für den 31.10!
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The Babadook habe ich durch ein Seminar an der Uni kennengelernt. Ich kann mich an wenige Filme erinnern, in denen das Monster nicht der Bösewicht und damit die Bedrohung ist. Dieser Film behandelt die Erschöpfung, Angst, Depression und unterdrückte Wut einer Mutter.   ‚
Stephen King sagte einmal, dass Monster und Geister real sind. Sie leben in uns und manchmal gewinnen sie. Der Film „The Babadook“ behandelt den Kampf ein solches Monster unter Kontrolle zu halten und was es bedeutet, wenn dieses Monster herauskommt und Familie, Freunde, Kinder und die Umgebenden in Gefahr sind. the_babadook_halloween_movies_the_best_filmsandpies001
‚Der Film handelt von der schwierigen Beziehung zwischen der alleinerziehenden Mutter Amelia und ihrem kleinen Sohn Samiel, der kein einfaches Kind ist. Amelia arbeitet als Altenpflegerin, lebt weitestgehend isoliert und muss mit allem alleine fertig werden. Ihr Sohn lebt in seiner eigenen Traumwelt voller Abenteuer, Zauberei und Superhelden. Beide kämpfen mit ihren inneren Dämonen – ob nun unter dem Wett und ihm Schrank oder in Form von Einsamkeit und Verzweiflung.the_babadook_halloween_movies_the_best_filmsandpies003
 Amelia und ihr Sohn Samiel sind völlig gegensätzlich. Sie lebt in einer kalten, grauen Welt wo es keine Freude oder Spaß geben kann. Sie ist passiv, teilnahmslos, erschöpft und scheint ein Schatten ihrer Persönlichkeit. Sie lebt von Tag zu Tag, versucht ihr Leben in den Griff zu kriegen und sich um ihren Sohn zu kümmern, der sie fast vampierisch aussaugt. Samuel ist zugleich die permanente Erinnerung, dass ihr Mann genau am selben Tag starb, an dem Samuel zur Welt kam.
Samuel ist ein sehr aktives und ab und an mehr als nerviges Kind, dass viel mehr Liebe, Aufmerksamkeit und Verständnis braucht, als seine Mutter derzeit schafft zu geben.
Die Mutter wird immer blasser und schwächer, da die Betreuung ihres Sohnes immer schwerer wird, aber sie muss ihr Kind vor dem unbekannten Bösen schützen, dass langsam, aber sicher in ihr Leben eindringt.
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 Mr. Babadook kommt langsam am sicher. Rumble. Rumble. Rumble. Dook. Dook. Dook.
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 Jennifer Kent, Regisseurin und Drehbuchautorin hat einen grandiosen Job gemacht. Der Film hat ein zutiefst weibliches Thema: den schmerz, die Erschöpfung und begrenzte Geduld einer Mutterfigur.
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 Das Spiel von Assie Davis und Noah Wiseman ist unglaublich. Es gab keinen Moment in denen ich ihnen nicht nichts abgenommen habe. Sehr häufig hatte ich auch nicht das Gefühl einen Horrorfilm zu sehen, sondern eine sehr reale, verstörende Geschichte über eine unausgestandene Psychose.
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   ‚The Babadook‘ ist definitiv ein einzigartiger Film. Er ist wunderschön, poetisch mit unglaublicher Ästhetik. Jede Einstellung ist ein Kunstwerk. Zum anderen: er fokussiert sich auf Details. Nichts ist hier dem Zufall überlassen. Und natürlich die wunderschöne. dramatische und emotionale Erzählung. Es ist verstörend, verängstigend, dunkel aber auch ein Film voller Zärtlichkeit und Liebe.
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Ein Film für die gruseligste Nacht des Jahres. Oder man ist in Stimmung für einen hochwertigen, gruseligen Film.  Zu meinen Lieblingen des Genres zählt er in jedem Fall.
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Unrelated, 2007

Okay, nach Achipelago, musste ich den Debütfilm von Joanna Hogg sehen – war Achipelago für mich noch irgendwo auch mit gewisser Distanz zu betrachten, habe ich bei Unrelated mich zum Teil abwenden müssen.

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Anna, eine kinderlose Mitvierzigerin, steckt in einer Ehe- und Identitätskrise. Um zur Ruhe zu kommen, verbringt sie ein paar Wochen mit alten Schulfreunden in der Toskana. Es sind zwei gehobene Mittelklasse-Familien mit verwöhnt-sorglosen Kindern. Alles was sie dort erlebt, erinnert sie aber daran, dass sie es in ihrer Zeit nicht getan hat und eine Vorstellung von Leben sieht, das sie nie gelebt hat.

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Interessanter, ruhiger Film über zwischenmenschliche Beziehungen, Freundschaften und die eigene Position im Leben, der vor allem auch von der schauspielerischen Stärke der Hauptdarsteller lebt. Obwohl die Protagonistin Anna als Frau Anfang,  Mitte 40 eine Person darstellt, deren Gefühle, Wünsche und Probleme selten von Filmemachern auf die Leinwand gebracht werden, ist es nicht nur ein Film für diese Altersgruppe – im Gegenteil, es wird eine Vielfalt von Aspekten des menschlichen Lebens beleuchtet, u.a. die Jugend, das Erwachsenwerden, die Bedeutung einer Ehe und das Gefühl in einer Gruppe von Menschen einsam bzw. fehl am Platz zu sein.

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Dies tut Joanna Hoggs Debütfilm auf eine elegische und einfühlsame Art und Weise, die öfter von den schweigsamen Momenten als den realistisch gehaltenen Dialogen lebt. Von Ruhe. Und der Realität des Alltags.unrelated-garten

Vor allem die Beziehung zwischen Anna und Oakley, dem ältesten Sohn ihrer besten Freundin. Ich habe die Spannung zwischen den Beiden genossen, trotz des Altersunterschiedes – besonders am Frühstückstisch, scheint man die Spannung mit dem Messer schneiden zu können. Im toskanischen Sommer und der Hitze von Florenz beginnen die beiden miteinander zu flirten und Anna fühlt sich wieder jung. Bis sich Oakley zurückzieht und sich anderen zuwendet. Der Schmerz über die Zurückweisung war greifbar und jeder hat mindestens einmal diese Erfahrung gemacht. Ich musste dabei an die Beschreibung von Barrie denken, dass alle Kinder jung, schön und herzlos sind.

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Der Streit zwischen Oakley und seinem Vater – da konnte ich bisweilen nicht hinsehen, und hätte am liebsten, wie alle anderen in den Pool gestarrt oder wäre untergetaucht. Der Film ist roh und real. Die Familiendynamiken erscheinen teils wie eine frei improvisierte Dokumentation über Familie. Die etwas schwierige Beziehung zwischen Eltern und Kind, die scheinbar heile Fassade, die Beziehung zwischen den Ehepartnern ist nicht immer leicht, aber real und mit echten Emotionen. Es ist eben nicht alles so einfach und heil, wie es auf den Außenstehenden scheinen mag.

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Diese Filme sind auch nichts für leichte Unterhaltung, man muss sich wirklich Zeit nehmen, den Film in Ruhe schauen ohne das man von irgendwas gestört wird – in Ruhe sich die Zeit auch nehmen über das gesehene Nachzudenken und ihn dann vielleicht noch einmal zu schauen.

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Unrelated befasst sich mit mehr als nur den Teenagern: wachsen, nicht entwachsen, das anstelle des Erwachsenseins tritt.
ein erwachen der erwachsenen.
„let the feelings create the event and not the event create the feelings

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Achipelago, 2010

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Oh je, ich habe diesen Blog hier echt schwer vernachlässigt, ich bitte allerdings um Verständnis, das es in nächster Zeit nicht viel zu hören und zu sehen  gibt, da ich mitten in der Arbeit für meinen Magister stecke – einige Sachen sind noch in der Pipeline und die gibts auch, aber dabei handelt es sich meistens um vorbereitete Posts.

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Wie dem auch sei: auf Empfehlung hin, wurde ich auf Archipelago aufmerksam gemacht. Das Problem ist, ich muss auch einen Verweis auf den grandiosen Debütfilm Unrelated machen – der demnächst auch besprochen wird. Beide Filme funktionierne fast wie Spiegelbilder

Der Film umreißt mit tiefsinnigen und stürmischen Bildern die tiefen Risse, die sich in einer auf den ersten Blick perfekt erscheinenden Familie während eines gemeinsamen Urlaubs zeigen.

Hogg befasst sich mit den feingliedrigen Dynamiken in britischen Familien. Ihre beiden bisher erschienenen Langfilme zeigen einen Familienurlaub, in dem sich die divergierenden Sensibilitäten der einzelnen Akteuere so lange aneinander reiben, bis sie schließlich Funken schlagen. Trotz des identischen Motivs entfalten sie eine sehr unterschiedliche atmosphärische Wirkung: Während in Unrelated ein umfangreicher, munterer Clan seine Ferien in der sonnigen Toskana verbringt, legt Archipelago den Fokus weit konzentrierter auf den angeknacksten Kern einer brüchigen Familie. Nur Mutter, Tochter und Sohn erscheinen zu diesem letzten gemeinsamen Ausflug – die Abwesenheit gleichzeitige Anwesenheit des Vaters ist ständig spürbar und legt sich drückend über drei Charaktere. Die wiederum scheitern im verkrampften Versuch, ein Gefühl der Gemeinsamkeit heraufzubeschwören, das vielleicht irgendwann einmal da gewesen ist. Archipelago zeigt eine Familie, die sich nicht im Urlaub befindet, sondern im Prozess eines langen Abschieds.

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Schon die schroffe Landschaft der britischen Scilly-Inseln bei durchwachsenem Wetter entzieht den Bildern alle Wärme. Nicht umsonst beginnt der Film nicht mit einer Aufnahme der Landschaft, sondern der eines gerade entstehenden Gemäldes, das die Wirklichkeit durch die Augen des Künstlers abbildet. Der Landschaftsmaler, der Mutter und Tochter Unterricht gibt, beschreibt die Farben der Insel, doch wir sehen sie nur auf der Leinwand, weil  der typisch britische Nebel den Blick versperrt. Wir sehen die Insel durch die Augen der Familie, und alles wirkt daher ziemlich trist.

Edward  ist im Begriff, seine Arbeit für einen elfmonatigen Trip nach Afrika aufzugeben, wo er ehrenamtlich helfen will, die Verbreitung von Aids durch Aufklärung über safe sex einzudämmen. Seine Mutter und seine Schwester organisieren den Familienurlaub als Verabschiedung des in einer Krise befindlichen Edward, der eigentlich gar nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen möchte.

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Weil es ein reiner Familienurlaub sein soll, wurde es Edward untersagt, seine Freundin mitzubringen, obwohl auch Fremde in diesem Urlaub auftauchen, ein lokaler Künstler und die engagierte Köchin Rose, die Edward zu verführen versucht.

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Von Beginn an hat man das Gefühl, dass eine Vergangenheit auf diesen Figuren lastet, die sich langsam und bruchstückhaft erahnen lässt. Sie manifestiert sich in dem Ferienhaus, das die Familie schon früher angemietet hatte, obwohl  keiner von ihnen sich hier allzu wohl zu fühlen scheint. Drinnen sind die Farben noch trister und die Figuren bewegen sich steif in den vorgeblich vertrauten Räumen. Vor allem Edward, der „kleine“ Bruder, will so gar nicht mehr in diese Familienwelt passen.

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Mehr als in jedem anderen Film wird hier mit Tom Hiddlestons Größe gespielt – ständig muss er gebeugt laufen, um sich in seinem verwinkelten Dachzimmer nicht den Kopf zu stoßen, und wird von den Schrägen in die Ecke gedrängt. Er wirkt wie ein Riese der versehentlich ins falsche Haus geraten ist.

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Archipelago ist kein einfacher Film.  Die Kamera bewegt sich kaum, was für die meisten Zuseher sehr ungewohnt sein dürfte, er hat nicht sonderlich viele Großaufnahmen der Gesichter, keine sanfte Hintergrundmusik. Das meiste spielt sich unterschwellig ab, vieles wird nicht ausgesprochen, sondern manifestiert sich in den Gesichtern und Stimmen der Protagonisten, die sich als Snobs entpuppen.

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Als Zuschauer fühlt man sich fast als Eindringling, ist teils peinlich berührt, teils hilflos. Keine Musik lenkt ab, allein die Geräusche der Gegend sind zu hören.

Hogg inszeniert das Haus als Akteur des Films und lässt die Räume für die Figuren sprechen, die einander nicht viel zu sagen haben. Die Motive der Einzelnen und ihre emotionalen Krisenmomente erschaffen eine Atmosphäre von Widerwillen und Unsicherheit. Diese Menschen, die hier aufeinander treffen, kennen einander nicht wirklich und versuchen es auch nicht. In Augenblicken voller Intimität wird deutlich, dass sie weder den Willen noch die Absicht haben, dem anderen tatsächlich nahe zu sein.

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Auch Edward ist nicht der Gutmensch, als der er gern gesehen werden möchte, er ist ebenso oberflächlich und selbstbezogen wie seine Mutter und Schwester, und dennoch ist man als Zuschauer bis zu einem gewissen Grad auf seiner Seite, versteht seinen Standpunkt und seine Unsicherheit.

Archipelago ist ein Film, für den man sich Zeit nehmen muss, der Konzentration erfordert, weil er dem Zuschauer nicht das liefert, was er üblicherweise gewohnt ist. Man muß sich  auf die Spur dieser Charaktere begeben, die es einem nicht leicht machen, sie zu mögen. Es gibt keine Sympathieträger. Ich denke aber, wer sich darauf einlassen möchte, wird einen schönen Filmabend genießen.

Zwar verharrt die Kamera auch schon in „Unrelated“ meist auf einem Platz, doch hier wird auch die Bewegung im Bild selbst stark reduziert. Die leichtfüßigen Ausflüge durch die toskanische Landschaft kontrastieren den beschwerlichen Kraxeleien auf den Bergen der britischen Insel, die die Geschwister in einer Mischung aus Spiel und Konkurrenzkampf bewältigen.  Dort wuseln Cousins und Cousinen durch den weitläufigen  Garten, hier sitzt die Kleinfamilie starr auf ihren Sesseln und schaut ihrer Konversation beim Dahinsiechen zu.

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Auf ganz unterschiedliche Weisen zeigen die beiden „Spiegelfilme“, was es heißen kann, Familie zu sein. Gerade dafür sind auch die außenstehenden Figuren besonders wichtig, die psoitiv, wie negativ als Störfaktoren fungieren. Dennoch streift Archipelago auch die wenigen ornamentalen Qualitäten seines Vorgängers radikal ab und bricht das Thema Familie auf seinen Kern herunter.

Alltagsszenen filmisch umgesetzt unverblümt, ehrlich, direkt und mit vielen Momenten, die dem Zuschauer einen „Das kenn ich gut von meinen Familientreffen“ Gedanken entlockt.

Gerade dadadurch wirkten jene Momente auf mich besonders intensiv. Selten habe ich mich mit einer Figur so identifizieren können wie mit Edward, der im Restaurant vom Tisch aufstehen muss, weil er die Spannung nicht mehr aushält, nur um wenige Szenen später ebenso intensiv mit Cynthia zu fühlen, die über ihrem eigenen Verhalten und der Reaktion ihres Bruders verzweifelt. Selten habe ich es erlebt, dass zwei so unterschiedliche, widerstreitende Figuren in mir in gleichem Maße eine solch intensive Anteilnahme auslösen können.

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Nicht nur deshalb ist „Archipelago“ für mich eine äußerst intime Angelegenheit. Um diesen Film richtig zu sehen, muss der Zuschauer mindestens ebenso leise und aufmerksam sein wie die Kamera, die uns einen flüchtigen, offenen Einblick in das Leben dieser Figuren bietet – Figuren, die dank  der Inszenierung so lebensnah scheinen, dass man es manchmal kaum aushalten kann.

Z- The Beginning of Everything, 2016

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„I love her and it is the beginning of everything“ – F. Scott Fitzgerald

Ich muss ein Geständnis ablegen: Ich bin verliebt in zwei Verrückte die in Abendgarderobe  mitten in der Nacht auf der Fifth Avenuve Champagnerflaschen die Straße herunterrollen ließen, die auf der Motorhaube eines Taxis fuhren und in Hoteldrehtüren Karussell. Francis Scott Fitzgerald und seine Frau Zelda. Mit dem gleichen Maß wie Bücher über Makrobiotisches Essen, Glückversprechen durch Minimalismus und Moral an Zulauf haben, bestehe ich, wie in Tender is the night auf „gar gekocht in Veuve Clicquote!“.  Mit Z- The Beginning of Everything soll es genau darum gehen.

Zelda

Champagner, Jazz und wilde Parties! Als unwiderstehliche, kluge und lebenshungrige junge Frau ist Zelda Fitzgerald jener Funken, der das kreative Potential des literarischen Genies F. Scott Fitzgeralds entzünden wird. Als ausschweifende Liebesgeschichte, die den Keim tragischen Scheiterns von Beginn an in sich trägt, als leinwandreifes Historiendrama voller Opulenz, als extravagante Lebensbeichte einer kulturellen Ikone, die im Rausch der zwanziger Jahre unsterblich wird, entführt die bahnbrechende Serie in eine faszinierende Ära, deren Echo bis heute nachhallt.

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Zelda ist achtzehn und lebt ein zutiefst bürgerliches Leben in Montgomery, Alabama: ein strenger Vater, der Richter ist, eine Mutter und zwei Schwestern. Der Vater erwartet von seiner bereits erwachsenen Tochter, dass diese endlich einen passenden Mann findet. Reich, aus guter Familie und mit besten Umgangsformen. Zelda allerdings geht Tanzen, küsst Soldaten und feiert gerne.  Sie verdreht jedem Mann in der Stadt den Kopf, doch von Liebe und sich fest binden, davon hält sie nicht viel – dann begegnet sie Scott – sie weiß es vom ersten Moment an, dass ist der Mann ihres Lebens.

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Da ist dieser Mensch, den man so abgöttisch glaubt zu lieben – doch wenn man genau hinsieht, ist dieser Mensch Gift für einen. Hierfür muss man keine Hollywood Star oder Autor sein, diese Story ist für alle nachvollziehbar.

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Der Richter ist natürlich nicht gerade begeistert: ein Künstler, das hat dem resoluten Paterfamilias  noch gefehlt. Doch Zelda findet genau das so wahnsinnig toll. Sie heiratet ihn, er wird über Nacht berühmt, da sich sein erster Roman sehr erfolgreich verkauft – sie ziehen nach New York – es hagelt eine Party nach der anderen – ein Leben in „Sünde“ für Zeldas Familie.

Die Liebe der beiden scheint anfänglich stark – doch beide haben einen großen Feind namens Alkohol, dieser Feind begleitet beide täglich und der Erfolg des jungen Autors scheint zu bröckeln. Der Gin ist bald nicht mehr das  Accessoire zum Schaumbad, aus dem Glas wird  die Flasche. Und auch, wenn sein zunehmender Alkoholismus der Überlieferung entspricht, ist die eindimensionale Darstellung eines der einflussreichsten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts als cholerischer Trinker schlichtweg stupide und langweilig.

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Zelda ist im Grunde die Heldin, sie liefert den Stoff für seine Romane und Geschichten. Soweit so gut und dass er Passagen direkt aus ihren Tagebüchern und Briefen übernahm stimmt, aber dass sie nun der verkannte schriftstellerische Genius ist. Das geht doch ein wenig arg weit. Sie bekommt sogar Angebote von den größten Filmstudios, was dem aufstrebenden Schriftsteller nicht besonders gut gefällt – wollte er doch der Star und Ernährer der Familie sein. Neid und Eifersucht machen sich breit.

Auf der einen Seite war ich hellauf begeistert, dass man versuchte die Fitzgeralds mal nicht als dieses romantische Flapper-Glamour-Paar zu zeigen, auf der anderen Seite – die GEschichte lässt sich zu viel Zeit oder hat zu wenig Folgen.1200

Welche Bedeutung Zelda Fitzgerald haben könnte, in feministischer, literarischer oder in irgendeiner anderen Hinsicht, weiß man nach den zehn Folgen noch immer nicht.

Stoff für eine mögliche Fortsetzung gibt es allerdings noch genug: Zum Ende der ersten Staffel haben es die Fitzgeralds noch nicht einmal an die französische Riviera geschafft, geschweige denn nach Paris, die Tochter Scottie ist noch nicht geboren.

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Zeldas Klinikaufenthalte, die diagnostizierte Schizophrenie, die Veröffentlichung ihres ersten und einzigen Romans, die zunehmende Unterdrückung und Zensur durch Scott, dessen Verpflichtungen als Drehbuchautor bei MGM – all das wären Momente, um sich dieser Person anzunähern.

 

 

Io sono l’amore, 2009

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Ganz klar, Luca Guadagninos „Io sono l’amore“ ist ein Film, der polarisiert, die einen lieben ihn, die anderen wenden sich angewidert ab. Doch wenn man sich darauf einlässt und ein Faible für Kunst und Kunstfilme im Allgemeinen und Architektur, Mode, Fotografie und Musik im Speziellen hat, bietet dieser Film ein ungemein sinnliches und opulentes Erlebnis, das man so nicht alle Tage vorfindet.

„IIo sono L’amore“ besticht vor allem durch seine kunstvolle und durchgestylte Machart, bei der die außergewöhnliche Kameraarbeit, die wunderschöne Szenerie Mailands und San Remos, die  Kostümei und die überlebensgroße, enorm theatralische Musik besonders herausstechen.

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Von der ersten bis zur letzten Sekunde ist „Io sono l ‚ amore“ ein höchst sinnlicher audiovisueller Genuss, in dessen Zentrum Tilda Swinton steht. Sie spielt die Matriarchin Emma in einer Mailänder Industriellen-Familie, hat zwei erwachsene Söhne und eine Tochter und ist gefangen in einem strikt organisierten Leben, das scheinbar ausschließlich von familiären Pflichten, Regeln und ehrfürchtiger Loyalität zu ihrem Ehemann bestimmt ist. Dieses Gefüge gerät ins Wanken, als sie auf Antonio, ein Freund und Geschäftspartner ihres Sohnes Eduardo trifft, mit dem sie eine heftige und lustvolle Affäre eingeht.

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Im Grunde ist die Handlung des Films  eine Art Hommage an das klassische Melodram, das Regisseure wie Douglas Sirk oder Luciano Visconti geprägt haben. Swinton gibt alles in ihrer Rolle und ihre Darstellung berührt oft in aufrichtiger Weise, doch meistens baut der Stil des Films eine gewisse Distanz auf und die meisten Charaktere bleiben recht unterentwickelt. Es ist Swintons Film und man braucht eine Zeit, bis man unter ihre spröde Fassade blicken kann.

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Die Sinnlichkeit bezieht der Film hauptsächlich aus seinen visuellen Reizen, man bekommt regelrecht Lust nach Italien zu reisen, Museen zu besuchen, sich der Kultur, dem Essen oder außergewöhnlicher Mode zu widmen. Man bekommt einen sehr guten Eindruck, wie die Familie organisiert ist, besonders in der Eröffnungsszene, in der eine Geburtstagsfeier für den Familien-Patriarch vorbereitet und gefeiert wird.

Der Film hat seine Längen und in der letzten halben Stunde trägt der Film dann etwas zu dick auf, auch wenn die letzten Momente wirklich atemberaubend sind.

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Wer auf diese Art von Film steht, wird hier ein fest erleben, dass er so schnell nicht vergessen wird.

Midnight in Paris, 2011

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Paris ist seine eigene Kunstform. In dem kalten, grausamen, sinnlosen Universum existiert Paris, dessen Lichter man sogar vom Weltall aus siehtmidnight-in-paris-community

Gil Pender ist ein erfolgreicher Drehbuchautor, der in Paris versucht, sein erstes Buch zu vollenden: Er will endlich etwas von bleibendem literarischen Wert schaffen. Allerdings leidet er akut an einer Schreibblockade, da er tagsüber mit seiner Verlobten Inez und deren angeberischen College-Freund Paul auf touristischen Pfaden wandelt und die Abende mit ihren versnobbten Eltern verbringen muss, die nicht unbedingt begeistert von ihrem Schwiegersohn in spe sind.

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Als Gil es eines Abends vorzieht, allein durch die malerischen Straßen Paris’ zu spazieren anstatt mit Inez und Paul tanzen zu gehen, passiert etwas Magisches: Genau um Mitternacht fährt eine alte Limousine vor, deren Insassen ihn vergnügt auffordern einzusteigen. Spontan lässt sich Gil auf das Abenteuer ein, das ihn auf wundersame Weise ins Paris der 20er Jahre führt, wo er F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway, Cole Porter und andere Künstlergrößen der amerikanischen Moderne trifft.

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Nostalgie… Ja dieser Film ist eine große Hommage an die „Früher war alles besser“-Sehnsucht, die jeder von uns kennt. “Nostalgia is denial, denial of the painful present”

Da er wenig wirkliche Handlung hat, lebt er durch die Begegnungen Gils mit den von ihm so sehr bewunderten Künstlern des Paris der Zwanziger. Damals als Kunst und Literatur noch Lebendig waren. Der Film schwelgt in der Golden Age und die Frage welche Dekade besser war.

Für Gil ist es das Paris der 20er, wo Zelda und Scott Fitzgerald, der Berserker Ernest Hemingway, die legendäre Gertrude Stein und andere wandelnden. Ich glaube mal, dass niemand von der Sehnsucht frei ist in einer anderen Zeit leben zu wollen. Für Gil ist der Alltag anstrengend und die Nächte von Paris erschafft die glamouröse Welt der 1920er der Stoff ist, aus der die Träume sind. Die Gegenwart ist langweilig und die 20er spannend: Charleston, Alkohol, das Bummeln durch die kleinen Cafés und Boulevards, Gespräche über Kunst und Literatur. Und eine nicht endende Party

Medianoche en París Pic Midnight in Paris
Gils Begeisterung über diese Begegnungen, die Art wie er sich in dieses Abenteuer stürzt und versucht, dieses Erlebnis auch mit seiner Verlobten zu teilen, macht ihn einfach sehr liebenswert. Im Grunde genommen ist er der Fanboy, der irgendwo in jedem von uns für irgendeine Dekade schlummert, aber von vielen nicht ernst genommen wird.

Die Idee zu dieser Geschichte, eine Zeitreise in die Vergangenheit, ist ja generell nichts gänzlich Neues, aber es ist eine wunderbare Umsetzung.

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Die Nächte verbringt er in der anregenden Gesellschaft der Künstler der Zwanziger, tagsüber muss er sich allerdings mit den deutlich weniger interessanten Freunden und Verwandten seiner Verlobten herumplagen, denen er sich mehr entfremdet. Der erfolgreiche Paul, der Gils Verlobte Inez wegen seines scheinbaren allumfassenden (Halb)Wissens mehr als ein wenig beeindruckt, stellt hier einen klaren Kontrast zu Gils natürlicher Art dar. Langsam aber sicher krempeln Gils Ausflüge in die Vergangenheit auch sein Leben in der Neuzeit um.

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Ich denke, dies ist mit Sicherheit ein Film, der die Meinungen entzweit. Er hat wenig Handlung und lebt von den Personen und den Gesprächen, sowie von der wunderschön in Szene gesetzten Kulisse der Stadt. Jeder Zuschauer, der auf der Suche nach Action ist, wird vermutlich einschlafen, jeder, der mit der Lost Generation der Zwanziger nicht so vertraut ist, kann ihn nett finden, wird aber vermutlich nur bedingt etwas davon haben, wenn ihm die ganzen auftretenden Personen nichts sagen. Wer sich mit der Zeit und den Personen allerdings schon einmal befasst hat, wird seine Freude an diesem Film haben und seinen Witz und auch seine etwas ernstere Seite genießen können.
Ein guter Einstieg in diesen Film und zum Reinschnuppern in die Zeit, dürfte Hemmingsways Buch „Paris-ein Fest fürs Leben“ sein.

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